Tief- und Höhepunkte der "Star Wars"-Trilogie Jedi nach seiner Fasson
Rey (Daisy Ridley), der Droide BB-8 und Finn (John Boyega) in "Das Erwachen der Macht"
Foto: LucasfilmSeit Mittwoch läuft "Der Aufstieg Skywalkers" in den deutschen Kinos. Die neunte "Star Wars"-Episode schließt zugleich die neueste Trilogie der Filmreihe ab. Doch wie gut waren die Fortsetzungen wirklich? Was ist ihnen gelungen, wo haben sie versagt? Die Tief- und die Höhepunkte von "Das Erwachen der Macht","Die letzten Jedi" und "Der Aufstieg Skywalkers" - Spoilerwarnung! Bitte nur weiterlesen, wenn Sie alle drei Filme gesehen haben!
DIE TIEFPUNKTE
Der gemeinste dramatische Bluff
Falsche Fährten heizen Fandiskussionen an und gehören deshalb zum Marketing. Aber selten fühlte man sich so verladen wie beim vermeintlichen Ende von C-3PO, das der Trailer zu "Der Aufstieg Skywalkers" androhte. Im Endeffekt war das Ganze dann nicht viel schlimmer als ein Windows-Update, und der redselige Goldjunge darf in Ewigkeit munter weiternerven. Nein, so spielt man nicht mit den Gefühlen des Publikums. (dak)
Die mieseste Computeranimation
Mit Andy Serkis als überblasenes Motion-Capture-Monster Snoke offenbarte sich die dunkle Seite von CGI in ihrer ganzen Hässlichkeit. Sowohl in Episode VII als auch VIII verkörperte er den überlebensgroßen Supreme Leader. Doch zwischen beiden Filmen erlebte der Sith-Fiesling eine seltsame Transformation: "Die letzten Jedi"-Regisseur Rian Johnson wollte wohl mehr Ben Kingsley in "Sexy Beast" als klapprigen Zombie-Greis. Grauenhaft künstlich sahen beide Snokes aus. (bor)
Das unverschämteste LGBTQ-Baiting
In einer der letzten Szenen von "Der Aufstieg Skywalkers" wurde ein lesbisches Pärchen beim Küssen gezeigt - das sollte wohl von den vorherigen 432 Hetero-Minuten ablenken. Hat aber das Gegenteil bewirkt: Dieses woke update hat die Trilogie so alt wie selten aussehen lassen. (hpi)
Der unoriginellste Todesstern
Ja, klar, das Original war eine Spitzenidee von George Lucas: "Das ist kein Mond!", rief Obi-Wan Kenobi in Episode IV. Genau, es ist ein Todesstern! So gut war die Idee, dass in Episode V gleich noch ein größerer Death Star gebaut wurde, der alte war ja, dank Luke, kaputt. "Rogue One" entmottete dann, gähn, noch einmal das Original wie eine liebgewonnene Christbaumkugel (gibt's wirklich!) - und dann waren wir den tödlichen Kugelfetisch endlich los. Dachten wir. (bor)
Finn, Poe und Rey vor den Ruinen des Todessterns in "Der Aufstieg Skywalkers"
Foto: Lucasfilm/ Disney
Die verstörendste Testflüssigkeit jenseits von Bindenwerbung
Es tut mir sehr leid, wenn Sie erfolgreich verdrängt haben, dass Luke in "Die letzten Jedi" grünlich-zähfließende Milch aus den Zitzen einer Dino-Rüssel-Kuh trinkt - und ich Sie nun daran erinnert habe. Vielleicht können wir das Trauma überwinden, indem wir uns gegenseitig davon überzeugen, dass das friedliche Nebeneinander von intergalaktischen Spezies zu den schönsten Eigenheiten von "Star Wars" gehört. Nein? Geht nicht? Sie müssen sich bei der Melkszene immer noch schütteln? Jaja, ich doch auch. (hpi)
Der unnötigste Fan-Service
Für den Schlussakkord wird alles aufgefahren, und auch die Ewoks schauen zum Finale nochmal rein. Hätte es nicht wirklich gebraucht, außer man möchte sich unbedingt an die schamlose Infantilisierung und Merchandise-Strategie von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" erinnern. Apropos, was machen eigentlich die Enkel von Jar-Jar Binks? (dak)
Die größte verschenkte Chance
Fast hätten sie sich was getraut: Die ambivalente Figur des von Benicio del Toro gespielten Hackers und Opportunisten DJ ("Don't Join") in "Die letzten Jedi" stellte kurzzeitig die moralischen Gewissheiten des "Star-Wars"-Universums infrage, aber dieser Zweifel verschwand mit ihm dann auch gleich wieder spurlos aus der Geschichte. So bleibt die Grauzone zwischen heller und dunkler Seite weiterhin unerforscht. (dak)
Der verzweifeltste Merchandise-Gag
Was hat zwei Pointen und ein Auge? Natürlich der putzige Zyklopen-Droid D-O aus "Der Aufstieg Skywalkers". Einen weiteren Roboter mit attitude brauchte diese Saga weiß Gott nicht, Disneys Weihnachtsgeschäft hingegen schon - schließlich sollen Baby Yodas erst 2020 erhältlich sein. Kaufimpuls: Lass gut sein. (hpi).
BB-8 (links) und D-O in "Der Aufstieg Skywalkers"
Foto: Lucasfilm/ Disney
Die inkompetenteste Schurkenstrategie
In neun Filmen haben Sith/Imperium/First Order wirklich nix dazugelernt: Immer wieder bauen sie einen riesigen, schwerfälligen militärischen Komplex auf, den die putzigen Rebellen dann verlässlich zu Klump ballern können. Strategisch doof und dramaturgisch öde, aber von der guten Seite aus betrachtet schon wieder begrüßenswert, denn so gilt garantiert: All you space fascists bound to lose. (dak)
Der albernste Helm
Ist natürlich Kylo Rens von roter Glut durchzogener Darth-Vader-Gedächtnisdeckel in "Der Aufstieg Skywalkers", der eher an Daft Punk erinnert als an dunkle Mächte. Daft Vader? Höhö. (bor)
"Der Aufstieg Skywalkers": Ein letztes Mal Jedi gegen Sith
DIE HÖHEPUNKTE
Die beste Saalschlacht der Trilogie
Kämpfe gab es genug, aber den mit Abstand besten lieferten sich Rey und Kylo Ren mit Snokes Prätorianergarde in "Die letzten Jedi": Perfekt choreographiert wirbeln die kurzzeitig Verbündeten mit ihren Lichtschwertern durch den Thronsaal und zerlegen die rotgepanzerten Elitesoldaten mit Furor und Effizienz. Eine Actionsequenz so schön, man möchte sie sich Frame für Frame an die Wand hängen. (dak)
Die schönste Leia-Gedächtnisfrisur
Schon genug Ikonendruck lastete auf der jungen Britin Daisy Ridley, die Quasi-Nachfolge von Jedi-Anführerin und Teenager-Traumprinzessin Leia anzutreten. Aber was um Obi-Wans Willen sollte man mit ihren Haaren anstellen? Also erfand das kluge Make-up und Hair-Department den ebenso praktischen wie lässigen, sportlich am Hinterkopf befestigten Triple-Bun, der nun zu Reys Markenzeichen geworden ist. Selbst stylen? Hier: (bor)
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Das überzeugendste Comeback
Harrison Fords unangekündigter Auftritt in "Der Aufstieg Skywalkers": Als Geist von Han Solo hilft er seinem Sohn Ben/Kylo Ren, den entscheidenden Schritt zur hellen Seite der Macht zu tun. Dieser ungewohnt stille Moment im Spektakel löst emotional all das ein, was Han Solos funktionaler Tod in "Das Erwachen der Macht" vermissen ließ. Das Resultat: In "Star Wars" gewesen. Geweint. (dak)
Der schönste Merchandise-Gag
Ganz am Ende, wirklich in den allerletzten Minuten von Episode IX schwingt Rey ein neues Laserschwert, mit neuem Schaft und neuer Farbe. Kaufimpuls: Bitte sofort her damit! (hpi)
Der emotionalste Wookie-Moment
"Der Aufstieg Skywalkers" ist vor allem in der letzten Stunde eine emotionale Zwangsjacke, aus der man sich nur schwer befreien kann, wenn man denn will. Gänzlich dem Gefühlsüberschwang hingeben will man sich ohnehin, wenn Chewbacca vom Tod Leias erfährt. Das Geheul des treuen Wookies, der in neun Filmen zwar gute Freunde, aber keine Gefährtin bekam, geht einem durch Mark und Bein, bis selbst dem zynischsten Filmkritiker die Tränen kamen (wirklich!). Mit Episode IX steht fest: Das emotionale Zentrum der gesamten Saga hat ein dickes, flauschiges Fell. (bor)
Die beeindruckendste Kulisse
Ist nicht etwa der stürmisch bewegte Ozean in Episode IX, sondern die weiße Salzwüste auf dem Planeten Crait mit ihrem effektvoll aufgewirbelten roten Sand in "Die letzten Jedi". Gedreht wurde auf den Salt Flats von Uyuni in Bolivien. (bor)
Filmszene auf Crait aus "Die letzten Jedi"
Foto: Disney
Die schönste Patchworkfamilie der Galaxie
Rey adoptiert sich am Schluss selbst als geistige Ahnin in die Skywalker-Sippe und beendet damit nebenbei den ganzen unappetitlichen Schwachsinn um gute und böse Blutlinien (von den dämlichen Midichlorians mal ganz zu schweigen). Luke und Leia geben als Force-Geister ihren quasi-elterlichen Segen dazu, und damit ist ein für allemal geklärt: Familie ist keine Frage der geteilten Herkunft, sondern der gemeinsamen Haltung. (dak)
Video: "Der Aufstieg Skywalkers" - Auf in die Schlacht!
Der poetischste Brückenschlag zur Ur-Trilogie
Es braucht nur ein einziges Bild, um J.J. Abrams sein zeitweilig nerviges Abpausen der klassischen Trilogie zu verzeihen: Jedi Rey Skywalker allein mit Droid BB-8 vor dem glühenden Horizont auf Tatooine. So plakativ und doch ergreifend werden hier Anfang und Ende der Saga zusammengebracht, dass man die Filme gleich wieder von vorne gucken will. Ok, ohne die Prequels. (dak)
Korrekturhinweis: In einer früheren Version schrieben wir, die Melkszene sei in "Das Erwachen der Macht" enthalten. Außerdem hatten wir das Zitat "Das ist kein Mond!" falsch zugeordnet. Wir haben die Fehler korrigiert.