"Startup" Im Schatten der Maus
Der Traum vom Weltkonzern, der irgendwann in einer Garage begann - Amerikas Mythen sind zählebig. Junge intelligente Cyber-Junkies verfallen ihnen ebenso wie ihre Väter, obwohl sie es eigentlich längst besser wissen. Und so wird in "Startup" wieder einmal eine Gerümpelkammer zum Ausgangspunkt eines Hightech-Krimis, der nach Silicon Valley führt, ins Nirwana moderner Micro-Sklaven. Dort herrscht Gary Winston, dem Tim Robbins nicht nur jungenhaften Charme verleiht, sondern auch eine ganze Palette von Wutausbrüchen und Omnipotenz-Allüren. Als satanisches Abziehbild von Bill Gates regiert er über das Hightech-Imperium N.U.R.V., das die Satellitentechnik revolutionieren will. Aber sein Projekt steckt fest und verlangt nach neuen ehrgeizigen Talenten - jungen Programmierern wie Milo.
zu Beginn von "Startup" will Milo noch mit Freunden eine eigene Firma gründen und steht kurz davor, die nächste Zukunftstechnologie zu knacken: digitale Konvergenz, das Verlinken aller Kommunikationsformen auf einem gigantischen Server. Der Schlüssel dazu ist genau das, was Winston fehlt, der selbstverständlich über die ehrgeizigen Pläne der Jungs längst im Bilde ist - Big Brother lässt grüßen. So versucht er Milo und seinen asiatischen Freund ausgerechnet während eines Fernsehinterviews per Telefon mit den begehrten Jobs bei N.U.R.V. zu ködern. Das macht Eindruck und ängstigt zugleich.
Während Idealist Teddy ("menschliches Wissen will frei sein") das Angebot ablehnt, kann Milo nicht widerstehen. Die Idee, Teil einer Elite zu sein, die in nur 42 Tagen eine technische Herausforderung lösen soll, ist zu faszinierend. Auf geht's nach Silicon Valley, in die bunte quirlige Programmiererwelt voller Graffiti, lauter Popmusik, Skateboards und all den anderen coolen Insignien, die Pizza und Chips kauende Pickelgesichter für die Aufwertung ihrer verkümmerten Egos brauchen.
Erwartungsgemäß surft Milo rasch auf der Erfolgswelle und sonnt sich in der Gunst Winstons, den er glühend verehrt. Zwischen den beiden scheint sich eine besondere Freundschaft zu entwickeln - wie zwischen Vater und Sohn. Doch dann wird Teddy ermordet. Und kurz danach erhält Milo von Winston ein Programm, das deutlich Teddys Handschrift trägt.
Winston ist der Teufel des Kommunikationszeitalters - der Zuschauer weiß es seit Filmbeginn. Und weil es eine jahrhundertealte Vorstellung so will, manifestiert sich das "Böse" nicht im System, sondern in einer Person, die nur mit ihren eigenen Waffen bekämpfen werden kann. Wie simpel, wie altmodisch. Auch "Startup" zeigt nichts anderes als fette Schwarz-Weiß-Kontraste zwischen idealistischen Hackern und skupellosen Software-Bossen, angereichert mit psychologischen Grundmustern für den Hausgebrauch.
Derweil zieht Milo wacker in den Kampf gegen sein personifiziertes Über-Ich - allerdings mit meist unbewegter Mimik, die am Talent von Hollywood-Nachwuchs Ryan Phillippe zweifeln lässt. Aber vielleicht muss einer so aussehen, der zu lange in künstlichen Welten herumnavigiert hat. Wer ist Freund, wer ist Feind? Was ist real? Milo kämpft mit den Wirklichkeiten, und so gibt's doch noch ein paar spannende Momente.
"Startup" ("Anti-Trust"). USA 2000. Regie: Peter Howitt, Darsteller: Tim Robbins, Ryan Phillippe, Claire Forlani, Rachael Leigh Cook, Yee Jee Tso, Douglas McFerran. Verleih: Constantin; Länge: 110 Minuten; Start: 28. Juni 2001.