Tod von Jean-Luc Godard Szenen seines Lebens, Szenen seiner Filme
Ein Revolutionär des Kinos ist gestorben: Jean-Luc Godard, hier beim Festival in Cannes, wurde 91 Jahre alt.
Schon mit seinem ersten langen Spielfilm sorgte Godard für großes Aufsehen: »Außer Atem« mit Jean Paul Belmondo und Jean Seberg stand in der Tradition von US-Gangsterfilmen, aber brach mit zahlreichen Konventionen des Filmemachens im französischen Kino.
Jean Seberg in »Außer Atem«: Godard verzichtete auf detaillierte Skripts, drehte auf den Straßen von Paris, trieb seine Geschichte mit waghalsigen Schnitten voran.
1961 drehte Godard »Eine Frau ist eine Frau«, ein »neorealistisches Musical« mit Anna Karina in der weiblichen Hauptrolle, von 1961 bis 1965 seine Ehefrau.
Jean-Luc Godard (links hinten) am Set von »Die Verachtung« mit Michel Piccoli und Brigitte Bardot mit schwarzer Perücke.
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Englische Werbung für »Die Verachtung« (1963): Schon am Plakat erkennt man, dass Godard die Filmgeschichte selbst zum Thema macht.
Bardot und Piccoli in »Die Verachtung«: Das Werk hat eine Film-im-Film-Ebene, verwoben mit einer Liebesgeschichte.
Der Genrefilm »Lemmy Caution gegen Alpha 60« trug im französischen Original den erheblich griffigeren Titel »Alphaville«. Eddie Constantine in der Hauptrolle zu besetzen, war eine weitere filmgeschichtliche Hommage des ehemaligen Filmkritikers Godard.
Einer der absoluten Klassiker der »Nouvelle Vague« des französischen Kinos: »Pierrot Le Fou« alias »Elf Uhr nachts«, wieder mit Anna Karina und Jean-Paul Belmondo als Amour-fou-Pärchen.
»Die Chinesin« war 1967 einer der letzten Filme der klassischen Phase von Godard. Hier arbeitete der Regisseur mit brechtschen Mitteln und erzählte von Pariser Maoisten. Im selben Jahr kam »Weekend« ins Kino und schloss mit den Worten »Ende der Geschichte, Ende des Kinos«.
In den Siebzigerjahren legte Jean-Luc Godard den Schwerpunkt auf politischen Aktivismus, seine Filme erprobten essayistische Formen. Erst 1980 näherte er sich dem Kino-Mainstream wieder an: »Rette sich, wer kann (Das Leben)« mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle.
Mal wieder eine Liebesgeschichte erzählte Godard 1983 in »Vorname Carmen« mit Maruschka Detmers und Jacques Bonnaffe. In die Filmgeschichte schaffte sie es eher nicht.
Als letzter konventioneller Film Godards gilt »Detective« von 1985 mit Nathalie Baye und Johnny Hallyday.
Auf die deutsche Wiedervereinigung reagierte Jean-Luc Godard mit »Deutschland Neu(n) Null«, in dem Eddie Constantine zum letzten Mal die Rolle des Lemmy Caution spielte, hier an der Seite von Claudia Michelsen.
Das große Publikum hatte Godard schon länger aus dem Blick verloren, doch Teile der Kritik interessierten sich immer wieder für seine Filmprojekte. »Film socialisme« von 2010 wurde auf dem Kreuzfahrtschiff Costa Concordia gedreht, das wenige Jahre später sank.
Mit »Adieu au langage« gewann Godard 2014 sogar noch einmal den Jurypreis in Cannes. Besonders sein Umgang mit der 3D-Technik wurde gelobt.
Jean-Luc Godard starb am 13. September, wie seine Ehefrau der Schweizer Nachrichtenagentur SDA bestätigte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, sein Land verliere »einen nationalen Schatz, den Blick eines Genies«.