"The Kid": Lümmelnd, lispelnd, fett. - DER SPIEGEL
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"The Kid" Lümmelnd, lispelnd, fett.

Bruce Willis spielt weiterhin am liebsten mit Kindern: In Jon Turteltaubs "The Kid" wird ein Karrieremann mit seinen Kindheitsträumen konfrontiert.
Von Simone Mahrenholz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Regisseur Jon Turteltaub ("Während Du schliefst", "Instinkt") verfilmte mit Superstar Bruce Willis in der Hauptrolle gleich zwei klassische Themen: Die Überwindung der Zeit und die Gegenüberstellung mit dem eigenen Ich. In "The Kid" begegnet ein Mann sich selbst in der Vergangenheit - und das wirft Gegenwart und Zukunft über den Haufen. Zugleich bekommt er unbequeme Antworten auf Fragen, die er sich bislang nie zu stellen wagte.

Es geht um den knallharten und erfolgreichen Imageberater Russ Duritz, der Prominenz aus Politik und Showgeschäft zum Erfolg trimmt und sich privat alle menschlichen Kontakte vom Leib hält. "Funktionieren ist alles" - nach dieser Devise stylte er erst sich selbst und dann für viel Geld die anderen. Sieht man von einigen Ticks und einer gewissen notorischen Gereiztheit ab, scheint alles in Ordnung zu sein - vermutlich hält sich Russ sogar für glücklich.

Eines Tages allerdings scheinen seine nervösen Erscheinungen überhand zu nehmen: Er hat eine Vision von einem Kind, das sich in seinem Fernsehsessel lümmelt. Es lispelt, ist fett und behauptet darüber hinaus, das Spielzeugflugzeug in seiner Hand gehöre ihm! Nach und nach stellen beide entsetzt fest: Es handelt sich bei ihnen um die selbe Person. Klein-Rusty ist allerdings erst acht, und er ist geschockt, was für ein Verlierer aus ihm geworden ist: Der große Russ ist nicht Pilot geworden, ist nicht verheiratet und hat noch nicht mal einen Hund!

Schnell versucht Russ, sich mit Hilfe seiner Psychiaterin und starken Medikamenten von dieser Vision zu befreien. Doch auch seine ergebene Assistentin, gespielt von Lily Tomlin, und seine schwierige Kollegin und Freundin Amy (Emily Mortimer) nehmen den Kleinen wahr, und sie schließen ihn sofort ins Herz. Das bedeutet für Russ nichts als Ärger, und als Rusty auch noch Amy einen Heiratsantrag macht, dreht Russ fast durch.

Wie ist es, wenn man in der Blüte seiner Jahre und seines Erfolges mit sich selbst als Kind konfrontiert wird? Hat man sich im Laufe des Erwachsenwerdens selbst verraten, alle Träume aufgekündigt, keine Vision verwirklicht? Dass diese pädagogisch-simple Aussage des Films dennoch nicht langweilig wird, liegt nicht nur am glänzenden, einer skurrilen Logik folgenden Drehbuch von Audrey Wells. Einen großen Anteil daran trägt auch der hervorragende Newcomer Spencer Breslin in der Rolle des Rusty, dessen chaotische Persönlichkeit den Film herrlich aufmischt. Das Konzept, unverbrauchten Kindercharme mit der verschmitzten Erscheinung des Altstars zu kombinieren, geht auch bei "The Kid" auf.

"The Kid". USA 2000; Regie: Jon Turteltaub; Darsteller: Bruce Willis, Spencer Breslin, Lily Tomlin, Emily Mortimer; Verleih: Buena Vista; Länge: 104 Min.; Start: 5. Oktober 2000