Thriller "Killer Elite": Krawall mit Botschaft - DER SPIEGEL
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Thriller "Killer Elite": Krawall mit Botschaft

Foto: Concorde Filmverleih

Thriller "Killer Elite" Krawall mit Botschaft

Mit simplen und absurden B-Reißern hat sich Haudrauf-Star Jason Statham eine eigene Genre-Nische geschaffen. Sein neues Vehikel "Killer Elite" bietet zum üblichen Radau nun auch krude Systemkritik.
Von Andreas Banaski
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Danny (Jason Statham) kriegt Skrupel. Als Premium-Söldner, der auch als Identifikationsfigur taugen soll, legt er natürlich nur Leute um, die es nicht besser verdient haben. 1979 gerät ihm aber bei einem Auftrag in Mexiko auch ein Zehnjähriger ins Visier. Statt den schnell als Kollateralschaden wegzubuchen, fällt Danny in Besinnungsstarre, aus der ihn Lehrmeister Hunter (unterfordert: Robert De Niro) raushauen muss.

Mental angeschlagen fühlt sich Danny in seinem Tätigkeitsbereich nun schwer vermittelbar, zieht sich auf einen rustikalen australischen Landsitz zurück und dockt emotional bei einer aparten Bäuerin an. Ältere Berufskollegen haben es da nicht so idyllisch getroffen. Hunter will was für die Rentenvorsorge tun, verpfuscht aber seinen hochdotierten Job und gerät in den Kerker eines Oman-Scheichs.

Was der für eine Racheaktion an den ihm verhassten britischen Elitesoldaten vom SAS (Special Air Service) zu nutzen weiß. Der Scheich hetzt den Engländern Danny auf den Leib, der sich seinem eingebuchteten Kumpel verpflichtet fühlt. Während im Hintergrund Ex-SAS-Leistungsträger, die britische Regierung und Nahost-Potentate um Öl und Macht intrigieren, hakt Exekutionskapazität Danny gewissenhaft seine Zielpersonen ab und steuert auf die finale Konfrontation mit SAS-Kettenhund Spike (Clive Owen) zu, einem Schnauzbart mit Sozialwohnung.

Klassischer B-Movie-Stil

Inspiriert wurde die "Killer Elite" angeblich von realen Vorbildern: Ranulph Fiennes, ehemaliger Armee-Offizier und Abenteurer, hatte eigene Militär-Erlebnisse im Oman und viel Hörensagen 1991 zum Roman "The Feather Men" verarbeitet - über dessen Wahrheitsgehalt in Großbritannien gestritten wird.

Viel guter Stoff also: Machismo, das Berufsbild Kanonenfutter, Imperialismus und politische Verschwörung hat der nordirische Werbeclip-Regisseur Gary McKendry in seinem Spielfilmdebüt zwar im klassischen B-Movie-Stil zusammengezimmert. Aber das nicht ohne Flair. Dafür sorgt schon das Zeitkolorit um 1980 - allerdings wird hier die schmierige Tristesse der frühen Thatcher-Jahre mit Fußballer-Styling geboten, und nicht der Popglamour aus der New-Romantic-Kiste.

Dieses schrabblige Retro-Feeling könnte allerdings den an Designeroptik gewöhnten Fan von Statham - der als Stoiker und Mimik-Purist ja auch von Feingeistern geschätzt wird - ebenso irritieren wie die unbeholfenen Ausflüge in die Charakterstudie, die als Action-Spaßbremse immer wieder dazwischenrumpeln.

Dass die Einzelteile aus Krawall-Feuerwerk, Paranoia, Polit-Thriller, Loyalität, Berufsehre und Beziehungsschmus hier nicht richtig zusammenpassen, hat aber auch seinen verqueren Charme. Überfordert wird die Zielgruppe ohnehin nicht: Am Ende läuft das Durcheinander ganz zielsicher und erwartbar auf das Duell zweier ebenbürtiger Charismatiker hinaus.


Killer Elite. Start: 27.10. Regie: Gary McKendry. Mit Jason Statham, Clive Owen, Robert De Niro.