"Time Share" Kochen, Kinder und Karriere
Dieser Film scheint nach den Prinzipien des Kochens ersonnen: Möglichst verschiedene Aromen wurden nach dem Gesichtspunkt des Kontrasts und der Exotik zusammengewürfelt, auf dass dabei ein aromatisches Film-Gericht herauskomme. Man nehme zwei attraktive, aber etwas aus der Mode gekommene Stars, gebe das aktuelle Thema "allein erziehende Eltern mit Karriere" hinzu, versetze die Kids in die optisch ansprechende Phase der Pubertät und wähle als Spielort eine reizvolle Urlaubs-Szenerie - fertig.
Doch diesem Brei hätte man tatsächlich mehr und kompetentere Köche gewünscht. Dabei konnte die deutsch-amerikanische Regisseurin Sharon von Wietersheim vor vier Jahren mit ihrem Film "Workaholic" - Christiane Paul und Ralf Bauer in den Hauptrollen - einen temporeichen Achtungserfolg verbuchen. Hier nun versucht sie sich wiederum an einer modernen Screwball-Comedy. Deren Vorgaben: internationale Besetzung, Wortwitz, rasantes Tempo, zahlreiche Gags, zwischenmenschliche Verwicklungen und eine einzig interessierende Frage: Wie kriegen sich die beiden verfeindeten Hauptdarsteller?
"Time Share" ist als harmlose Urlaubskomödie für die ganze Familie angelegt. Die allein erziehende Wissenschaftlerin Julia (Kinski) plant mit ihren beiden Söhnen einen zweiwöchigen Urlaub auf einer Insel, um bei dieser Gelegenheit die Kinder mit Russell (Geoffrey Lower), ihrem Chef und neuen Verlobten, bekannt zu machen. Am Urlaubsort muss sie jedoch feststellen, dass die Wohnung durch einen Buchungsfehler doppelt vergeben wurde: auch Matt (Dalton) erhebt mit seinen zwei Kindern Anspruch auf das Haus. Da selbstverständlich keiner nachgibt, finden sich Mann und Frau schnell beim erbitterten Streit: um Betten, Küche, Einkaufsgewohnheiten und anderen Alltagsmalaisen. Die Kinder finden die Situation selbstverständlich cool. Auftritt der Verlobte - und die Strandgeliebte von Dalton. Wie sollen sie sich da noch kriegen, die beiden Streithähne?
Die erste desaströse Idee bei diesem filmischen Unterfangen lag bereits darin, in den Hauptrollen ausgerechnet Ex-James-Bond-Darsteller Timothy Dalton mit Deutschlands Film-Export Nastassja Kinski ("Paris, Texas") zusammenzuspannen: Haudegen trifft Neurose. Die beiden entwickeln in keiner Minute des Films irgendeine gemeinsame Chemie. Zumal die Kinski hier als zickige Wissenschaftlerin, die ihre Karriere auf genmanipuliertem (!) Gemüse aufbaut, in punkto unsinnliche Humorlosigkeit leider sehr trefflich besetzt ist. Timothy Dalton hat währenddessen den verführerischen Starkoch zu mimen, der mit Duft-Aromen und überdosiertem Testosteronspiegel auch noch die widerspenstigste Wissenschaftlerin dahinsinken lässt. Eine klassische Fehlbesetzung.
Die Geschichte schleppt sich zudem - trotz jeder Menge Sonne und Strand - nur mühsam dahin. Die Kinski ist einfach nicht komisch, und Dalton wirkt wie immer: schlicht, viril und seicht. Über ein Konzept verfügte Sharon von Wietersheim offenbar nicht. Der Film sieht aus wie ein braves Anfängerwerk und ist in der Tat auch erst ihr zweiter Kinofilm - zuvor drehte sie hauptsächlich TV-Produktionen. Und das sieht man: stereotype Figuren, hausbackener Humor und Handlungsfäden, die so kurz sind, dass man locker nebenbei ein paar Werbeblocks vertrüge.
"Time Share". USA 2000. Regie: Sharon von Wietersheim; Drehbuch: Eric Tuchman; Darsteller: Nastassja Kinski, Timothy Dalton, Geoffrey Lower, Kevin Zegers, Cameron Finley; Länge: 90 Minuten; Verleih: Constantin; Start: 23. November 2000