Titan A.E.: Star Wars für Voyeure - DER SPIEGEL
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Titan A.E. Star Wars für Voyeure

Für alle Sci-Fi-Fans, die im Jahr 2000 an Star-Wars-Entzug leiden, gibt es Ersatz: Titan A.E. ist ein komplett animiertes Weltraumabenteuer, dessen atemberaubende technische Raffinessen die Handlung vergessen lassen.
Von Hans-Arthur Marsiske
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In gewisser Weise steht Titan A.E. in der Tradition guter, alter Science-Fiction-Geschichten, in denen es darum geht, die Erde vor außerirdischen Angreifern zu retten. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Denn schon nach fünf Minuten ist klar, dass es da nichts mehr zu retten gibt. Also geht es in der Folge darum, eine neue Welt zu finden - und natürlich die Schmach zu rächen.

Der Film beginnt im Jahr 3028. Obwohl sich die Menschheit längst im All ausgebreitet hat, empfinden die Menschen die Erde immer noch als ihre Heimat. Daher trifft es sie hart, als bösartige Außerirdische den blauen Planeten kurzerhand in Stücke sprengen. Von nun an sind die Menschen gezwungen, als Flüchtlinge im interstellaren Exil zu leben, weit verstreut über die Milchstraße, verachtet und entrechtet.

Im weiteren Verlauf der Geschichte kommt es natürlich zu einer erneuten Konfrontation mit den fiesen Aliens. Das ist von vornherein ebenso klar wie der Ausgang dieses Kampfes: "Titan A.E." fasziniert nicht durch einen raffinierten Plot oder ungewöhnliche Charaktere. Was ihn dennoch sehenswert macht, sind die Bilder, mit denen die Geschichte erzählt wird: Da der Film komplett animiert wurde, waren Szenen möglich, die ansonsten wohl jedes Budget gesprengt hätten.

Schon die Eröffnungssequenz ist atemberaubend. Der Angriff der Aliens lässt die Invasoren aus "Independence Day", die nicht gerade sanftmütig zur Sache gingen, fast wie lahme Kegelbrüder aussehen: Mit ein paar Wolkenkratzern in New York oder dem Weißen Haus geben sie sich gar nicht erst ab. Auch im weiteren Verlauf der Handlung tröstet die phantasievolle Gestaltung der Raumschiffe und Weltraumkolonien über schlappe Dialoge und vorhersehbare Verwicklungen hinweg. Manche der exotischen Lebewesen mögen an "Krieg der Sterne" erinnern, aber es gibt auch jede Menge originelle und witzige Einfälle - etwa die überdimensionale, fröhliche Kakerlake, die in einer galaktischen Gaststätte am Herd steht.

Ein optischer und dramaturgischer Höhepunkt ist die Verfolgungsjagd zweier Raumschiffe in einem riesigen, kosmischen Eisnebel. Wie in einem Labyrinth aus lauter Spiegeln werden nicht nur die Kontrahenten, sondern auch die Zuschauer immer wieder in die Irre geführt.

Alles in allem: Ein kurzweiliges Science-Fiction-Abenteuer, das endlich mal wieder die Schaulust befriedigt und zarte Hoffnungen auf eine neue Blüte des Genres weckt. Dafür kann man schon mal ein paar hölzerne Charaktere und eine durchsichtige Story in Kauf nehmen.