Weihnachtsfilme aus Hollywood: Das Fest der Hiebe - DER SPIEGEL
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Weihnachtsfilme aus Hollywood Das Fest der Hiebe

Ein kotzender Nikolaus, genervte Eltern, enttäuschte Kids: Von "Bad Santa" bis "Surviving Christmas" präsentieren Hollywoods aktuelle Weihnachtsfilme das Fest der Liebe als Lachnummer zwischen Kitsch und Klamauk.
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Vorbei die Zeiten, als James Stewart in "Ist das Leben nicht schön?" das Weihnachtsfest mit neuem Geist beseelte. In Frank Capras romantischem Kinodrama von 1946 ließ sich der von Stewart gespielte George Bailey noch von einem Engel überzeugen, dass das Leben lebenswert ist und nicht sang- und klanglos beendet werden darf - schon gar nicht an Weihnachten. Heute lässt Hollywood zum Christfest einen versoffenen, dauergeilen Nikolaus in Gestalt von Billy Bob Thornton auf die Leinwand los. "Bad Santa" heißt der Film, und Thornton macht dem Titel alle Ehre: Dieser Weihnachtsmann ist wirklich böse, ein Zyniker mit gebrochenem Herzen, der seinen Kummer in Alkohol ertränkt.

Der hochprozentige Fatalismus des "Bad Santa" ist bezeichnend für einen anhaltenden Trend in Hollywood: den Anti-Weihnachtsfilm. Ob in "Surviving Christmas" (Deutschlandstart: 16. Dezelmber 2004) eine alte Dame gleich zu Beginn statt der Ente ihren Kopf zwecks Suizid in den Ofen schiebt oder in "Verrückte Weihnachten" der Held seine Familie sitzen lässt und in die Karibik türmt - das Fest der Liebe ist zum Fest der Triebe und Hiebe geworden. Familienselige Eintracht hat einer Mischung aus Klamauk, Kitsch und Zynismus Platz gemacht.

Klamauk à la Kevin

Verantwortlich für die augenzwinkernde Respektlosigkeit gegenüber dem Fest der Feste ist die Kinderklamotte "Kevin, allein zu Haus" von 1990. In Chris Columbus' Blockbuster spielte Macaulay Culkin einen Jungen, der sich an Weihnachten gegen eine Truppe von Dieben wehren muss.

"Kevin" machte die Festtagsklamotte Salon- und Box-Office-fähig und bescherte den Kinogängern das Subgenre der Weihnachtskomödie. In der Folge verbannten "The Santa Clause - Eine schöne Bescherung" (1994), die Schwarzenegger-Komödie "Versprochen ist versprochen" (1996) und die Kinderbuch-Adaption "Wie der Grinch Weihnachten stahl" (2000) mit Klamauk und Ironie den traditionellen wertkonservativen Festtagsfilm fast vollständig von der Leinwand.

"Heute macht man sich über Weihnachten lustig", erklärte der Filmhistoriker David Thomson unlängst der "New York Times". "Es ist heute einfach üblicher, Weihnachten zur Veranstaltung zu erklären, bei der Familienmitglieder, die sich nicht leiden können, aufeinander treffen, sich betrinken und streiten."

Und die gute alte Besinnlichkeits-Schmonzette? Die scheint von der Leinwand ins Fernsehen abgewandert zu sein. Auf den amerikanischen Bildschirmen wird Jimmy Stewart auch dieses Jahr wieder als gutherziger Beinahe-Selbstmörder erscheinen, der sich zum dankbaren Bürger wandelt. Sendungen wie "A Christmal Carol", eine Musical-Version der Weihnachtsgeschichte, die NBC ausstrahlt, oder die CBS-Produktionen "A Very Christmas" und "When Angels Come to Town" sorgen dafür, dass das Christfest nicht ganz in die Hände von Hollywoods Zynikern fällt.

Herz und Schmerz sind Pflicht

Im Kino sind dem marktgängigen Klamauk ebenfalls Grenzen gesetzt, zu viel Blödelei ist schlecht fürs Geschäft. Als die Macher von "Verrückte Weihnachten" ihren Film in die Marktforschung entließen, bescherte ihnen das Testpublikum eine unbequeme Einsicht. Die Werbekampagne, die mit der Verballhornung des Nikolaus-Lachens spielte ("No-ho-ho"), fiel bei den Befragten durch. "Wir dachten, es sei witzig, nicht zynisch", erklärte Tom Sherak, Chef der ausführenden Revolution Studios. "Aber die Leute mochten No-ho-ho nicht. Weihnachten ist ho ho ho."

Auch die Kritik fand den Film alles andere als zum Lachen, auch wenn "Verrückte Weihnachten" an der US-Kinokasse unchristlich viel Geld einbrachte. Der Film sei, als ob man Weihnachten mit Verwandten aus der Hölle verbrächte, spottete ein Kritiker; ein anderer versicherte, eine Truppe besoffener Elfen bekäme einen besseren Film zustande.

Die Kritiker-Schelte macht ein grundlegend stilistisches Dilemma der Festtagskomödien deutlich. Um ein zeitgenössisches Publikum anzulocken, müssen die so genannten Holiday-Produktionen einen schwierigen Spagat zwischen Komik und Ironie auf der einen und Sentimentalität und Traditionsbewusstsein auf der anderen bewältigen.

Ein bisschen Fernseh-Frieden

Die TV-Strategen haben dies besser begriffen als ihre Kino-Kollegen. Beth Polson von NBC hat sich auf Weihnachtsfilme spezialisiert und weiß, dass eine bestimmte Formel eingehalten werden muss. Weihnachten sei eine Zeit, da Familien sich um den Fernseher versammeln, um Geschenke auszupacken. Die Menschen hätten ganz bestimmte Erwartungen. "Wenn man schlau ist, entfernt man sich nicht allzu weit davon", erklärte Polson der "New York Times". "Man braucht ein Kind, ein bisschen Magie, ein bisschen Humor und unbedingt eine Moral. So macht man erfolgreiche Filme."

Das Bedürfnis nach Rührung ist also gar nicht postmoderner Selbstironie und Anti-Weihnachtshäme zum Opfer gefallen. Die Nachkriegsgeneration, die 1946 mit Jimmy Stewarts Festtagsoptimismus Mut schöpfte, sie lebt in den heutigen Zuschauern fort. Wer sie mit allzu derbem Witz verprellt, kann einpacken - vor allem zur Weihnachtszeit.

Daniel Haas