"Willenbrock": Schweres Beben - DER SPIEGEL
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"Willenbrock" Schweres Beben

Wenn der Lack der bürgerlichen Existenz bröckelt, wird die Textur des Verdrängten sichtbar - wie in Andreas Dresens beklemmender Adaption von Christoph Heins trauriger Geschichte vom Gebrauchtwagenhändler Willenbrock.
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Andreas Dresen hat ein Faible für Verlierer und Randifiguren der Gesellschaft: "Die Polizistin" und "Halbe Treppe" legen eindrucksvoll Zeugnis davon ab. Mit der Verfilmung des Christoph-Hein-Romans "Willenbrock" wechselte er nicht nur die Technik - statt Digitalkamera drehte er in Cinemascope -, auch sein Erzählstil ist komplexer geworden. Und es geht nicht um Außenseiter, sondern um einen, der es scheinbar geschafft hat.

Willenbrock ist ein Gebrauchtwagenhändler, der 15 Jahre nach der Wende zu den Gewinnern zählt: Die Geschäfte gehen gut, zu Hause wartet eine liebevolle Frau, eine Uni-Dozentin steht für den Quickie im Hotel bereit, eine hübsche Studentin lässt sich zum Rendezvous verführen.

Das Leben in Magdeburg könnte so schön sein, ein glückliches Nachwende-Macho-Schicksal in der ostdeutschen Provinz. Doch dann werden Willenbrock und seine Frau in ihrem Wochenendhaus brutal überfallen. Aus dem ersten Schock wird schleichende Angst, dann Panik und Paranoia. Willenbrock bewaffnet sich, um sein komfortables Mittelschichtsleben zu schützen - und manövriert sich immer tiefer in die Misere.

In der Romanvorlage ist Willenbrock ein melancholischer, etwas fahriger Hauptstädter; Dresen hat ihn mit Alex Prahl ("Halbe Treppe") besetzt und zu einem hemdsärmeligen Pragmatiker gemacht, der mit allem rechnet, nur nicht mit einer Attacke auf seine saturierte Existenz. Um so eindrucksvoller wie der Prahl'sche Willenbrock mehr und mehr den Boden unter den Füßen verliert. Ein nüchterner, gerade aufgrund seiner Distanziertheit eindringlicher Film, der vom zivilisierten Leben und seiner Anfälligkeit für Gewalt und Zerstörung erzählt.


"Willenbrock"

Deutschland 2004. Regie: Andreas Dresen. Buch: Laila Stieler nach dem Roman von Christoph Hein. Darsteller: Axel Prahl, Inka Friedrich, Anne Ratte-Polle, Dagmar Manzel. Produktion: UFA Fernsehproduktion. Verleih: Delphi. Länge: 107 Minuten.

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