Workshop Hollywood: Die boxenden Historiker - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Workshop Hollywood Die boxenden Historiker

SPIEGEL ONLINE porträtiert Autoren und Regisseure, Agenten und Produzenten, die sich mit Hollywoods Projekten von morgen und übermorgen beschäftigen. Diesmal: Beacon Communications, die Firma hinter Blockbustern wie "Air Force One".
Von Rüdiger Sturm
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Wer Filme machen will, der sollte sich den dritten Kampf Ali gegen Frazier ansehen. Das ist das beste Training". Produzent Armyan Bernstein predigt das darwinistische Credo Hollywoods: Fighten bis zum Umfallen. Oder wie es Muhammad Ali formulierte: "Näher kann man dem Tod nicht kommen."

Für diese Schlachten ist jedoch Bernstein gut gerüstet. Seine Firma Beacon Communications, die er 1990 mit Marc Abraham gründete, finanziert alle ihre Filme selbst, hängt also nicht am Geldtropf der großen Studios. Neben Kult- und Kritikererfolgen wie "The Commitments" und "The Hurricane", der Denzel Washington 2000 eine Oscarnominierung als Bester Hauptdarsteller brachte, findet sich auch der Blockbuster "Air Force One" in der Bilanz.

Information statt Ablenkung

Doch das Unternehmen schielt nicht auf den Erfolg um des Erfolges willen. Bernstein, der vor seiner Filmkarriere als Journalist gearbeitet hatte, fühlt sich immer noch dem aufklärerischen Ethos verpflichtet: "Es geht darum, die Menschen zu informieren und zu inspirieren, nicht um pure Unterhaltung und Ablenkung." Aus einem solchen Denkansatz heraus entstand auch Beacons historisch korrekter Thriller über die Kubakrise, "Thirteen Days". Während die Branche nach griffigen Konzepten a la "Indiana Jones im Weltall" süchtig ist, grübelten die Beacon-Produzenten über eine andere Frage: Welche der Top-Themen des 20. Jahrhunderts sind immer noch relevant? Ganz oben auf der Antwortenliste: die Bedrohung durch Atomwaffen.

Es ist kein Zufall, dass Bernstein dabei eng mit seinem alten Journalistenkollegen Peter O. Almond zusammenarbeitete. Der hatte neben zahlreichen TV-Dokumentationen auch den ersten russischen Film der Glasnost-Ära, "Raspad", produziert und Erfahrungen in öffentlichen Ämtern gesammelt, so als Delegierter beim Umweltgipfel in Rio de Janeiro. Schon bereiten die beiden ihr nächstes gemeinsames Projekt vor, ebenfalls zu einem Thema von politischer Brisanz: den Umwälzungen in Russland. "Man in Moscow" erzählt von einem amerikanischen Banker, der in die russische Hauptstadt versetzt wird und sich aufgrund seiner Unkenntnis des Wilden Ostens in immer größeren Schwierigkeiten verstrickt. Das Drehbuch soll voraussichtlich im Juni fertig sein.

Lobenswert und historisch korrekt

Wichtig ist es, so Almond, "dass die Geschichte ihre Integrität behält." Besonders stolz ist er auf das Lob renommierter Experten, die "Thirteen Days" große historische Exaktheit bescheinigten. Doch von honorigen Qualitäten allein lässt sich das Publikum nicht überzeugen.

In den Vereinigten Staaten spielte der Streifen wenig befriedigende 35 Millionen Dollar ein. Für Bernstein die Folge einer verfehlten Verleihpolitik: "New Line hatte keine Erfahrung mit dieser Art von Filmen. Sie haben "Thirteen Days" wie eine Geschichtsstunde vermarktet."

Digitales Kino aus dem All

Zwangsläufig hat Beacon auch Projekte im Programm, die der Marketingabteilung weniger Kopfzerbrechen bereiten: Vor wenigen Wochen beendete Tony Scott die Dreharbeiten zum Actionthriller "Spy Game". Robert Redford spielt darin einen CIA-Spion, der kurz vor dem Ruhestand noch mal in Aktion treten muss, als sein junger Protégé (Brad Pitt) in China verhaftet wird.

Für die Zukunft verspricht Bernstein noch Spektakuläreres. Doch bestimmte Geschichten bleiben für Beacon trotzdem ausgeschlossen. Vor zehn Jahren versuchte Bernsteins Neffe seinem Hollywood-Verwandten vergeblich einen "X-Men"-Streifen schmackhaft zu machen. Der bereut seine Entscheidung nicht: "Es gibt so viele großartige historische Themen, die nur darauf warten, verfilmt zu werden."