KRITIK
Miguel Angel Asturias: »Sturm«. Ein Amerikaner will die Allmacht einer US-Bananengesellschaft-in Guatemala brechen, indem er gegen sie eine Genossenschaft einheimischer Kleinpflanzer organisiert. Dach der Rebell erweist sich als Hauptaktionär eben jener Gesellschaft, die er selbst bekämpft: Ratlos kappt der Autor den Lebensfaden des spalthirnigen Philanthropen mittels eines Orkans. Warum Asturias den Nobelpreis erhielt, werden vielleicht die nach ausstehenden Bände der » Bananentrilogie« zeigen, von der der Roman »Sturm«, eine naiv und nachlässig daherfabulierte Metaphern-Oper, der erste Teil ist. (Luchterhand; 248 Seiten; 16,80 Mark.) Alex Natan: »Graue Eminenzen«. Nicht die eminenten Prominenten machen die Geschichten, will der Autor zeigen, sondern ihre geheimen Berater oder Werkzeuge, die deshalb, nach Richelieus Pere Joseph, als »graue Eminenz« bezeichnet werden. Überwältigt vom Glitzern« historischer Details, hat der Journalist Natan solche Drahtzieher aufgereiht: den Kapuziner, der Wallenstein stürzte, Donna Olimpia, die Papst Innozenz X. dirigierte, oder den Geheimagenten d'Eon, der als Travestit in allen Lagen brauchbar war. Zum Schluß wird die Nebelprozession schwächer: Vansittart, Zaharoff, Churchills Luftkriegsberater Lindemann. (Walter; 496 Seiten; 22 Mark.) Brigitte von Tessi,: »Der Parvenü«. Der Roman-Bestseller deutscher Abkunft spielt im Frankreich der Französischen Revolution. Frau von Tessin bewegt sich ungemein flott zwischen den Fragen und Schrecknissen der Epoche und den besonderen Prüfungen der Aristokratin Diane Marie. Der unedle, doch lebenstüchtige Titelheld liebt, schützt und schwängert die Witwe seines ermordeten Herrn, die sich ihm aber, bei aller Neigung, aus Standesstolz lange nur widerruflich verbindet. Die Stärke der Autorin ist ein klarer, rascher Dialog, der nebenher von der sozialen Frische oder auch Erstarrung der Akteure zeugt. (Hoffmann und Campe; 1028 Seiten; 29,50 Mark.)