Kritik
Ernesto Sábato: »Über Helden und Gräber«. Im Buenos Aires des Diktators Perón scheitert die Liebe eines jungen Paares: Das Mädchen Alexandra ist in Haßliebe seinem diabolischen, wahngestörten Vater hörig. Sie tötet ihn und kommt in den Flammen des von ihr in Brand gesetzten Hauses um. Dort wird des Vaters »Bericht über Blinde« aufgefunden, das Kernstück von Sábatos Roman, eine Halluzination über Geschlecht und Schicksal, Geschichte und Zukunft. Die gewalttätige Fabel ist von dem Ex-Mathematiker und -Physiker
aus wechselnden Perspektiven zu einem Panorama argentinischer Geschichte zusammengefügt. (Limes; 500 Seiten; 25 Mark.)
Herbert Ihering: »Von Reinhardt bis Brecht«. Zwölf Jahre lang schrieb er im »Berliner Börsen-Courier« das Ge enteil dessen, was sein Intimfeind Alfred Kerr im »Tageblatt« publizierte. Doch nicht den witzig gestotterten Rezensionen Kerrs gab die Zeit schließlich recht, sondern den prosaischen, aber differenzierteren Darstellungen Iherings, die nicht aburteilen, sondern »mithelfen« wollten. Sie halfen besonders Brecht, Piscator, den Expressionisten und dem linken Agitprop-Theater. Die westdeutsche Auswahl, die Ihering-Kritiken aus den Jahren 1909 bis 1932 sammelt, ist ein Digest der dreibändigen Ost-Berliner Ausgabe. (Rowohlt; 432 Seiten; 16,80 Mark.)
Henry Slesar: »Ein Bündel Geschichten für lüsterne Leser«. 16 Storys, die außer Betrug und Körperverletzung vor allem Morde an überwiegend weiblichen Opfern bieten. Hitchcock empfiehlt die Geschichten als nützliche Erzählungen vom glücklichen Familienleben. Als nützlich erweisen sich darin Gebete für den Ausgang von Pferderennen, eine mordbereite Mutter für den ehemüden Sohn und die Kenntnisse eines Anatomie-Professors, der seine skelettierte Gattin in ein unverdächtiges Lehrmittel verwandelt. Slesars Einfallsreichtum garantiert originelle Pointen, seine Schreibroutine bewirkt jedoch frühzeitige Ernüchterung. (Diogenes; 260 Seiten; 16,80 Mark.)