KRITIK - DER SPIEGEL
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KRITIK

• aus DER SPIEGEL 47/1967
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Johann Sebastian Bach; »Sonaten für Violine und Cembalo Nummer 1 und 4«. Mit motorisch skandierten, schnellen Sätzen, die der leicht swingenden Bach-Auffassung im Jazz-Zeitalter nahekommen, dementiert der oberste Sowjet-Geiger David Oistrach in dieser Aufnahme alle Rücktrittsgerüchte. Im Adagio freilich kündigt sich ein Fachwechsel an: Oistrach, nun ein geigender Grand-père noble, distanziert sich von seinem mustergültig-klassizistischen Spiel und sinkt in den Plüsch. Am Cembalo: Hans Pischner, Ost-Berlin. (Deutsche Grammophon 139 312; 25 Mark.)

Paul Hindemith: »Kammermusik Nr. 3«; »Nobilissima Visione«. Begleitet von zehn Musikern des Südwestfunks, streicht der Kölner Avantgarde-Propagandist Siegfried Palm das Cellokonzert des ehemaligen Modernisten, als stamme es aus dessen Revoluzzer-Zeit: rauh, hart, aggressiv. In mystische Ferne dagegen strebt der Dirigent Heinz Bongartz mit den Dresdner Philharmonikern in der Ballett-Suite an den heiligen Franziskus: Mit durchweg leisem Ton raubt er der Hindemithschen Handwerkskunst selbst das Finale-Pathos. (Wergo 60 027; 29 Mark.)

Attila Zoller, Don Friedman: »Metamorphosis«. Temperament ist ihre Sache nicht: Gitarrist Zoller, 40, ein Ungar in New York, und Pianist Friedman, 32, aus San Francisco plätschern zu Schlagzeug-Pling-Pling (Joe Chambers) und Baß-Plung-Plung (Richard Davis) in sanftem Free Jazz. Wie einst die Cool-Schule Lennie Tristanos erstreben sie statt Expressivität intuitive Kommunikation. Mitunter gelingt den Stimmungsmalern beim Meditieren über Zwölftonreihen ("Troubadours") und atonalen Traumstücken ("Dream Bells") ein zager Swing. (Prestige 7488; 21 Mark.)

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