KRITIK
Antonin Dvorak: »Streichquartett Nr. 6 F-Dur op. 96«; Peter Tschaikowski: »Streichquartett Nr. 1 D-Dur op. 11«. Dvoaks Bratsche, die er noch selbst gestrichen hat, eröffnet schluchzend diese Aufnahme seines populärsten Streichquartetts. Darin hat der in New York heimweherkrankte Komponist böhmische Erinnerungen mit US-Negerfolklore und stilisierten Naturlauten samig verbunden. Das Smetana-Quartett behandelt auch Tschaikowskis Opus mit dem aus Kaffeehäusern allbekannten Andantesatz souverän ironisch. (Electrola SME 91 448; 25 Mark.) César Franck: »Violinsonate A-Dur«; Guillaume Lekeu: »Violinsonate in 0«. César Francks Violinsonate, seit mehr als einem halben Jahrhundert Pflichtstück für fortgeschrittene Violinschüler, brachte dem ehrgeizig komponierenden Pariser Orgelmeister im Pensions-Alter den ersten öffentlichen Erfolg ein. Christian Ferras streicht mit röhrender G-Saite und üppigem Vibrato alle Effekte des Viersätzers heraus. Als musikalisch bessere Hälfte begleitet am Klavier, auch in der Duosonate des Franck-Schülers Lekeu, Pierre Barbizet. (Grammophon 139 124 SLPM; 25 Mark.) The Blues Project: »Projections«. Den tiefschwarzen Bluesausdruck farbiger US-Underdogs ("I Can't Keep From Crying") schaffen jetzt auch weiße Bands. Mit knorrenden Stimmen, heulenden Elektrogitarren und aharmonischem Orgel-Sound produzieren die fünf »weißen Nigger (Norman Mailer) der Greenwich-Village-Beatgruppe »Blues Project«, von der rund 10000 LP pro Woche verkauft werden, poetischen Folk Rock und erregenden Rhythm & Blues. Ihre Version des Hits »Two Trains Running« hält über elf Minuten die Spannung. (Verve FVS 9505; 18 Mark.)