KRITIK - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 45 / 51

KRITIK

• aus DER SPIEGEL 26/1967
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gioacchino Rossini: »Drei Sonaten für Streicher«. Als Zwölfjähriger bereits riskierte der spätere Erfolgskomponist ("Barbier von Sevilla") und prominente Gourmet ("Tournedo Rossini") seine erste konzertierte Aktion: In klassisch genormten, dreisätzigen Streicher-Stücken nahm er Buffo-Witz, Kavatinen und Koloraturen seiner späteren Bühnen-Bestseller vorweg. Der Dirigent Louis Auriacombe führt dos Toulouser Kammerorchester zwar taktfest, doch leicht schwerfällig durch drei der sechs zartbesaiteten Kinder-Symphonien. (Columbia CCA 1068; 25 Mark.)

Paul Hindemith: »Ludus tonalis«. Hindemiths Übungen in Kontrapunkt und Klaviertechnik, zugleich Einführungen in die erweiterte Dur-Moll-freie Tonalität seiner fünf Jahre älteren Schulwerke »Unterweisung im Tonsat«, gediehen noch Bachs Vorbild zu einem Wohltemperierten Klavier des 20. Jahrhunderts. Abstraktion und Klangspielerei, strikt dreistimmige Fugen im Dutzend bietet die schwedische Pianistin Käbi Laretei, die derzeitige Ehefrau des »Schweigen«-Regisseurs Ingmar Bergman, fingerfix und mit kühler Eleganz dar. (Philips 835 391 LY; 25 Mark.)

Walter Mossmann: »Achterbahn Chansons«. Mit maßvoll angerauhter Samtstimme singt Mossmonn, Jahrgang 1941, Selbstverfaßtes, ohne seine Lehrjahre in Frankreich abzuleugnen. Obwohl Melodien und Texte von Zitaten strotzen,

spekuliert ihr Autor nicht allein auf die Erkennungsfreude und die Überlegenheitsgefühle, die er Brecht- und Lenau-, Schlager- und Reklame-Anhängern schenkt. Ihm sind auch eigene Wendungen geglückt. Er hält sich links -- und doch aus den Vietnam-Demonstrationen vom Kurfürstendamm heraus. (Da Camera SM 95 004; 25 Mark.)

Zur Ausgabe
Artikel 45 / 51