KRITIK
Gustaf Gründgens: »Briefe, Aufsätze, Reden«. Das von Theater-Professor Rolf Badenhausen und Gründgens-Adoptivsohn Peter Gorski herausgegebene, hymnisch kommentierte und karg bebilderte Heldenlob auf den letzten Groß-Prinzipal deutschen Theaters suggeriert, daß GG im Dritten Reich noch widerstandskämpferischer, stilbildender, menschlicher war, als seine Verehrer bisher schon annehmen mochten. Neu ist, daß der auch als Maler und Erzähler Tätige insbesondere deshalb mit seinem »Faust« in Amerika gastierte, »um meinen 'Mephisto' nun den New Yorkern an die Stelle von dem von Klaus Mann« zu setzen. (Hoffmann und Campe; 464 Seiten; 32 Mark.)
Horst Krüger: »Stadtpläne«. Der Autor ist durch »Das zerbrochene Haus«, eine Verbindung von Persönlichem und Politik, bekannt geworden. Nun folgen Reiseeindrücke und Bildnisse der Krüger-Wohnorte Frankfurt und Baden-Baden. Krüger urteilt selbstsicher: »Die Mauer ist dem Staat DDR gut bekommen.« Der feine Hohn des Einzelgängers trifft greise Millionärinnen wie fortschrittliche Friedensfreunde. Wenig glücklich wirkt der Hang zur Zweiten Person Einzahl. Horst Krüger duzt nicht nur die Leserschaft und jene nette Polin, die ihn durch ihr Land begleitet hat, er duzt sogar den Forschungsgegenstand New York. (Rütten + Loening; 252 Seiten; 18 Mark.)
Yukio Mishima: »Nach dem Bankett«. Der Nachsommer, den Ex-Minister Noguchi, 60, mit Restaurantbesitzerin Kazu, 50, erlebt, ist kurz. Die Wirtin entpuppt sich im Wahlkampf als so vitale Prolet-Pompadour, daß ihr aristokratisch-lederner Liebhaber sich indigniert abwendet -- nachdem er die Gouverneurs-Wahl von Tokio, sie ihr Restaurant verloren hat. Noguchi, tottriges Symbol Alt-Japans, bleibt arm zurück; Kazu entscheidet sich, wie alle Heldinnen guter Unterhaltungsromane, für das Recht auf Selbstverwirklichung, außerdem für ein Hilfegesuch an Noguchis Gegner -- das Leben und ihr Restaurationsbetrieb gehen weiter. (Rowohlt; 224 Seiten; 18,50 Mark.)