Kritik
Gustav Mahler: »Sinfonie Nr. 3 d-Moll«. Mit dem monumentalen Panorama einer innigen, brütenden, pastoralen, pathetischen, tragischen und mystisch verklärten deutschen Seelenlandschaft überbot Mahler die 80 Minuten seiner »Auferstehungs-Sinfonie« (Nr. 2) um ein weites. Die Altistin Maureen Forrester haucht Zarathustras »Mitternachtslied«, ein Frauen- und ein Knabenchor lassen »Des Knaben Wunderhorn« erschallen. Bernard Haitink und das Amsterdamer Concertgebouw-Orchester malen noch breiter, als Mahler malte. (Philips 802711/12 AV; 50 Mark.) Edward Elgor: »Cellokonzert«; Ernest Bloch: »Schelomo«. Elgar litt unter englischer Krankheit -- einer verspäteten Spätromantik: Der geadelte Brite (1857 bis 1934) arrangierte aus Brahms-Zitaten und Jugendstil-Blüten ein diskretes und traditionelles Stück. Bloch gibt sich engagierter: Der Erste Konzertmeister der modernen hebräischen Musik stimmte mit rhapsodischem Pathos und altertümelnden Tonfolgen das hohe Klagelied Salomons an. Solist Pierre Fournier läßt das Stück -- Bloch-gerecht -- »in völligem Pessimismus enden«. (Grammophon 139 128 SLPM; 25 Mark.) Colin Wilkie And Shirley Hart: »We Travel The Road«. Sie klingt reif und milde, sogar mütterlich, er eher knäbisch forsch -- besonders dann, wenn seine Stimme, um amerikanisches Kulturgut vorzutragen, in die Breite geht. Viele der Lieder dieser englischen Folksänger sind sanft aufgemöbelte oder keß umgearbeitete Antiquitäten -- andere, wenn sie auch noch so schlicht und kernig tun, nachgemachte Novitäten, wie Colin Wilkies Weigerung, als Bergmann unter Tage mitzumachen. Der Sänger hellster Freudenschrei begrüßt den Whisky. (Polydor 237704; 18 Mark.)