KRITIK
Hans Daiber: »Vor Deutschland wird gewarnt«. 1921 forderte ein Anthologist namens Schilling namhafte Kollegen zur Selbstdarstellung auf, Fast ein halbes Jahrhundert später fand Autor Daiber die unveröffentlicht gebliebenen Texte im Morbacher Schiller-Nationalmuseum, reicherte sie mit Eigeninterpretationen an und verlängerte die Biographien der Toller, Sternheim und Hasenclever, der Benn, Sieburg und Becher über 1921 hinaus. Sichtbar wird ein trostloses Muster aus Verfolgung, Not, Selbstmord -- und Opportunismus. »17 exemplarische Lebensläufe« (Untertitel) aus dem sogenannten Land der Dichter und Denker. (S. Mohn; 232 Seiten; 16,80 Mark.) Iwan Goll / Claire Goll: »Briefe«. Er nennt sie »Liane«, sie ihn »Yvlein«; er ist eifersüchtig auf ihren »Don Kurtjean« (Verleger Kurt Wolff), sie auf seine langjährige Geliebte, die Dichterin Paula Ludwig. Die sehr intime Korrespondenz zwischen dem 1950 verstorbenen Expressionisten und seiner schriftstellernden Gattin liest sich wie das Stenogramm einer permanenten Ehekrise. Doch sind Liebe und Leid, Selbstmordversuch und Seitensprünge, Kunstgerede und Krankheitsrapports überzuckert von Poesie und den zärtlichsten wechselseitigen Komplimenten. Die Zeitläufte (1917 bis 1948) sind so gut wie ausgeklammert. (Kupferberg; 264 Seiten; 32 Mark.) Eric Malpass: »Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung«. Ein Achtjähriger behelligt die Familie auf das drolligste und gibt immer im falschen Augenblick bekannt, was er so aufgeschnappt hat. Ein Greis tyrannisiert die Nachkommen, später verdient er Mitleid und Respekt. Die dreißigjährige Lehrerin macht sich durch jüngferliche Übertreibung lächerlich, später, im Liebesglück, wirkt sie dann um so rührender. Ein Schriftsteller ist seiner Frau ergeben und sie ihm. Der Verlag empfiehlt sich -- gerade diesmal nicht zum eigenen Schaden -- als bewährter Importeur von »Lebensmut und Lebenslust«; diesmal britischer Herkunft. (Rowohlt; 224 Seiten; 16,80 Mark.)