KRITIK
Joseph Haydn: »Ouvertüren«. Von den meisten Bühnen-, Sing- und Marionetten-Musiken des Esterházyschen Unterhaltungschefs sind die Introduktionen das Beste, doch selbst die besten Ouvertüren reichen im melodischen Fundus, in der perfekten Satztechnik und der instrumentalen Finesse nicht an die symphonischen Partituren des Klassikers heran. Was der Musiker buffonesk notiert und flüssig gesetzt hat, serviert der Dirigent Helmut Müller-Brüh) mit dem Kölner Kammerorchester herb und trocken: Hi-Fi-Haydn extra dry. (Schwann VMS 2014; 25 Mark.) Nikolai Rimski-Korssakoff: »Scheherazade«. Die mal pompös, mal pittoresk, allemal brillant vertonten Geschichten der nahöstlichen Märchen-Fee rauschen in dem 1888 entstandenen »Kaleidoskop orientalischer Prägung« (Rimski) wie Opas Kinoklänge: Der slawische Orchester-Thriller, 1001-Nacht-Musik in fast impressionistischer Farbigkeit, ist jedoch von Hollywood längst überholt. Karajan führt seine Berliner philharmonische Hundertschaft mit Trommel und Tamtam in eine symphonische Schlacht -- bunt und unschlagbar. (Grammophon 139022 SLPM; 25 Mark.) Milt Buckner: »Play Chords«. Pianist George Shearing machte aus Buckners Blockakkord-Stil einen Welterfolg, doch Milt Buckner, 52, spielt viel besser. Auf einer »Saba House Party« (Titel eines Buckner-Blues) in Villingen im Schwarzwald swingte der korpulente Alt-Jazzer »wie eine ganze Trompeten-Sektion« (Kritiker Andre Hodeir). Mit dem Shearing-Hit »Pick Yourself Up« übertrifft er Shearings Eleganz, mit »Hamp's Boogie Woagie« Lionel Hamptons Ekstasen. Und bei »Dein ist mein ganzes Herz« übertrifft er sogar den Kitsch von Lehár. (Saba SB 15110; 18 Mark.)