KRITIK
Jean Giraudoux: »Geschichten zum Frühstück«. Ein Literarhistoriker hat diese Gelegenheitsarbeiten zusammengesucht. Sie stammen von Jean Giraudoux (1882 bis 1944), dem späteren Diplomaten, Romancier und Bühnenautor ("Der trojanische Krieg findet nicht statt"), der sie als junger Redakteur der Pariser Zeitung »Le Matin« unter verschiedenen Decknamen erscheinen ließ. Die kurzen und äußerlich anspruchslosen Geschichtchen, die nicht nur im Paris der Pferdebahnen spielen, sondern auch in Hellas, Texas, Kanada und Island, bieten eine Menge reizvoller und origineller Einsichten und führen zu keineswegs banalen Schlüssen. (Langewiesche; 96 Seiten; 9,80 Mark.)
Denis Ronald Sherman: »Gefährten des Meeres«. Ein fünfzehn jähriger Tropen-Insulaner hat zwei ausgefallene und riskante Liebschaften auf einmal zu bewältigen: die umsichtige, eifersüchtige und am Ende todbringende Zärtlichkeit für einen mutwilligen Schnabeldelphin, mit dem er sich fischend angefreundet hat, und die nicht mehr unschuldige Zuneigung zur schönen Halbschwester. Vom Verwandtschaftsgrad weiß allerdings der schon als Säugling ausgesetzte Knabe nichts. Sherman, 32, nähert sich im Ton teils Hemingway, teils harmloseren Kinderbuchautoren -- offenbar (siehe »Bestseller") zur Freude deutscher Konsumenten. (Hanser; 272 Seiten; 16,80 Mark.)
Matthias Wegner: »Exil und Literatur«. Die von Hitler vertriebene deutsche Literatur repräsentierte eine Skala von Überzeugungen zwischen altliberalem Humanismus und doktrinärem Stalinismus. Ihre Gruppierungen bekämpften einander so enragiert wie zusammen das Dritte Reich. Wegner spürt den Spuren nach, die das Exil im Werk der Exilierten hinterließ. Er betrachtet Autobiographien und Romane, die das Zeitalter van Moskau, New York, Paris oder London her besichtigten. Lyrik und Drama fehlen in seiner gut ausgebauten (Doktor-)Arbeit, deren Rückübersetzung aus dem Germanistischen ins Deutsche nicht durchweg gelang. (Athenäum; 248 Seiten; 28 Mark.)