KRITIK - DER SPIEGEL
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KRITIK

• aus DER SPIEGEL 34/1967
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Pierre van Maldere: »4 Sinfonien«. Im 18. Jahrhundert versuchten clevere Kopisten, nicht gängige Sinfonien van Malderes, Gei genvirtuose und Kammerdiener Karls von Lothringen, aufs Podium zu bringen, indem sie die Werke dem vielgespielten Joseph Haydn unterschoben. Heute nehmen die auf Unveröffentlichtes erpichten Grammophon-Archivare die belgisch-frühklassischen Unterhaltungsmusiken mit belgischen Künstlern in einem belgischen Kloster auf -- die Stücke werden auch weiterhin nur die Forschung interessieren. (Archiv 198 379; 25 Mark.)

»Chanson de Paris«. Die synthetische Revue erklimmt zwar, was die Texte angeht, ein paar Gipfel stolzer Schwermut und gepflegten Menschenhasses (Georges Brassens, Louis Aragon), doch sie meidet auch die abgetretenen Wege unironischer, unliterarischer Paris-Romantik nicht. Einige Berühmtheiten der Branche sind auf so engem Raum kaum auseinanderzuhalten. Hervorstechend: Jacques Brel mit schwungvollem Hohn, Zizi Jeonmaire voller Geschäftsgeist und in reizvoller Verlebtheit der betagte Chevalier mit unsichtbarem Strohhut. (Philips 840 591 PY; 18 Mark.)

Alexander von Schlippenbach: »Globe Unity«. Das Fauchen, Brodeln, Fiepen, Flirren, Schlagen, Ratschen und Schoben auf exotischen Kultinstrumenten und allerlei Jazz-Hörnern hat System. 14 europäische Freistil-Swinger entfesseln die differenzierte Kakophonie nach einer komplizierten graphischen Partitur. Erstmals brachte der Kölner Schlippenbach, 29, Meisterschüler des Avantgarde-Komponisten Zimmermann, in seinen Geräusch-Orgien »Sun« und »Globe Unity« Free-Jazz-Ekstase und Zwölfton-Ökonomie in Einklang. (Saba SB 15 109; 18 Mark.)

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