KRITIK
Saul Bellow: »Das Opfer«. Den New Yorker Redakteur Asa Leventhal sucht in einer Phase herabgesetzter innerer Wehrkraft -- seine Frau ist auf Wachen verreist -- ein versoffener, auch antisemitischer Ex-Kollege heim, der ihm einst einen Gefallen tat und dann durch ihn seinen Job verloren haben will. Der Lästige nistet sich in der sauberen Wohnung und dem empfindlichen Gewissen Leventhals ein und verheert beide. Autor Bellows ("Herzog") Frühwerk von Schuld und Schuldigkeit ist wie mit dem Spiralbohrer geschrieben: Langsam und planvoll dringt er auf den Grund des Bewußtseins. (Kiepenheuer & Witsch; 368 Seiten; 19,80 Mark.)
Hans Praehofer: »Die Drachenschaukel«. Der Erstlings-Roman des bayrischen Malers und gelernten Metzgers Praehöfer, 46, mutet an wie ein Bierzelt auf dem Oktoberfest: weißblau mit Blaskapelle, laut, geräumig, sinnenfroh und van Intellekt ganz unbeschwert. Substantivisch verknäuelt hat Praehafer aufs Papier gehauen, was das Leben ihm an lebensnahem Stoff bisher zutrug. Kindheit in einer oberbayrischen Schlachterei, Landleben und Kleinstadtmief, Judenschicksal und Landserlos geraten dem Leser ins Blickfeld, als sähe er hier durchs Astloch im Bretterzaun: Provinz pur und simpel. (Piper; 272 Seiten; 17,80 Mark.)
Georg Hensel: »Spielplan«. Der Darmstädter Theaterkritiker offeriert seinen Schauspielführer »von der Antike bis zur Gegenwart« nicht nur zum Nachschlagen. Hensel, 43, plaudert und scherzt auch (selbst bei Überschriften: »Spanien: Kreuz und Olé"), er erzählt Anekdoten und meldet Privates -- manchmal freilich falsch: Frau Ionesea ist keine Chinesin! Bester Witz in dem fleißig, gescheit und leicht lesbar geschriebenen Werk: Unter »Vermischtes« sind im letzten Kapitel Autoren Wie Goetz, Hochhuth« Kotzebue, Priestley, die Schönthans und Zuckmayer zusammengefaßt. (Propyläen; 2 Bände; 1300 Seiten; 45 Mark.)