KRITIK
Georg Friedrich Händel: »Violinsonaten Opus 1«. Als die böse Konkurrenz den Wassermusiker Georgs I. und das von ihm künstlerisch betreute Londoner Subventions-Opernunternehmen in finanzielle Schwierigkeiten trieb, verschaffte sich der smarte Sachse 1733 mit einer Neuauflage von neun Jahre alten Flöten-, Oboen- und Geigensonaten frisches Geld. Der Belgier Grumiaux streicht effektvoll heraus, was Barockmenschen an den Kammermusiken schätzten -- »unbegrenzte Einbildungskraft und Fruchtbarkeit des Empfindungsvermögens«. (Philips 835 389 AV; 25 Mark.)
Olivier Messiaen: »Et exspecto resurrectionem mortuarum«. Zur Erstaufführung dieses von Psalmversen und Paulusworten, von Abbildungen ägyptischer Pyramiden, gotischer Kathedralen und alpiner Gipfel inspirierten mystischen Klanggemäldes über die Auferstehung der Toten pilgerte General de Gaulle nach Chartres. Für die Plattenpremiere der eindrucksvoller Laut-Malerei dirigiert Messiaen-Schüler Pierre Boulez 34 Bläser und ein riesiges Schlagwerk dem fünften Werkmotto gemäß: »Und ich hörte ein Rufen wie von einer großen Menge.« (CBS SBRG 72471; 25 Mark.)
»Moritaten oder Das Morden höret nimmer auf. Wiener Blut fließt aus gemeuchelten Uhrmachern und erstochenen Köchinnen; ohngezügelte Leidenschaft leitet zu Notzucht sowie anderen Missetaten. HAllen Liebhabern der Ächten Mörderskunst« singen Helmut Qualtinger und Kurt Sowinetz ge- und erfundene Moritaten. Das makabre. Vergnügen an blutigen Dingen wird im grimmig-grotesken Moritatenstil bereitet; das parodierte Zeitkolorit schlägt sich sogar auf der Plattenhülle nieder -- diverse Fettflecken sind eingedruckt. (Preiserrecords 305; 25 Mark.)