KRITIK - DER SPIEGEL
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KRITIK

• aus DER SPIEGEL 16/1967
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Carlo Gesualdo: »Madrigali«. Er habe, bescheinigt ein Nekrolog dem Fürsten Carlo Gesualdo di Venosa (1560 bis 1613), »all den anderen den Weg des 'affettuoso' gezeigt«. Seine leidenschaftlichen Gefühle demonstrierte der dreißigjährige Principe, indem er die ihm angetraute Kusine im Ehebruchbett erwürgte und dann empfindsame Madrigaltexte mit chromatischen Extravaganzen vertonte. Sechs Solisten präsentieren, von den Musikologen zu solcher Art der Interpretation ermuntert, 16 dieser Lieder in italienischem Schöngesang. (Amadeo AVRS 5013; 25 Mark.)

»Toscanini in memoriam«. Zum zehnten Todes- und 100. Geburtsjahr des Beethoven- und Brahms-, Verdi- und Wagner-Enthusiasten erscheint -- in modischem Ersatz-Stereo -- eine nicht repräsentative Fünf-Platten-Kassette. Mit Schuberts »Unvollendeter«, mit Mendelssohns 4. und Dvoráks 9. Symphonie demonstriert der italienische Präzisions-Fanatiker, daß auch in der Musik die »Tiefe außen liegt«. Selbst Beethovens 4. Klavierkonzert, das der Maestro mit Rudolf Serkin 1944 spielte, polierte er zum Kristall, der nichts mehr spiegelt. (RCA SNA 25 013-R/1-5; 49 Mark.)

Franz Josef Degenhardt: »Väterchen Franz«. Meist singt »Väterchen Franz«, der »versoffne Chronist«, der mit 35 als Jura-Dozent und Familienvater in Saarbrücken wohnt, vom gesegneten Bier und vom verfluchten Krieg, von Gastarbeitern, Führungskräften, von Mädchen und Kumpanen. Besonders aggressiv ist auf dieser Platte die Kleinkunst des politisch durchaus engagierten Degenhardt wieder nicht. Dafür wirkt seine Gitarren-Bänkelei, erstmals auch durch eine Jazz-Combo verstärkt, jederzeit poetisch verträumt und oft melancholisch. (Polydor 237 829; 18 Mark.)

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