KRITIK
Wolfgang Amadeus Mozart: »Sämtliche Streichquintette (KV 174, 406, 515, 516, 593, 614)«. Mozarts schwierigen Streichquintetten gehen auch Kammermusikprofis auffallend gern aus dem Wege. So erklärt sich der Großauftrag eines mit prominenten Musikern gutbesetzten Konzerns zur Einspielung sämtlicher Mozart-Quintette an ein relativ junges Ensemble -- an das grundsolide und mit der Verläßlichkeit deutscher Orchesterbeamter musizierende, um einen Bratschisten verstärkte Heutling-Quartett; Standort Hannover. (Electrola SMC 91 449/51; 75 Mark.) »Das moderne Cembalo der Antoinette Vischer«. Des Zirpens altmeisterlicher Suiten überdrüssig, bestellte sich die vermögende Basler Pianistin Antoinette Vischer frische Cembalomusiken direkt beim Komponisten. Was Neu- und Neusttöner aus der Alten und Neuen Welt nach dem Besuch der Dame an Spiel-Material einsandten, ergibt zwar ein Breitwand-Panorama aktueller Tonsatztechniken; ein neuer »Versuch über die wahre Art, das Clavier zu spielen«, (Philipp Emanuel Bach) ist es nicht, ein solcher von Frau Antoinette Vischer nur bedingt. (Wergo 60 028; 29 Mark.) The Beatles: »Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band«. Während der 700 Arbeitsstunden, die die britischen Ordensträger auf die 300 000 Mark teure Produktion ihres komischmilitanten 13-Lieder-Zyklus verwendeten, ließen sie das Studio mit stimulierenden Essenzen beträufeln: Ambraduft regte zu skurrilen Lyrics an. Zum milden Beat eines Streichquartetts oder zu Hühnergegacker tragen sie poetische Geschichten vor -- so von Karussell-Unternehmern, die türkischen Honig schlecken. Noch nie waren die Beatles ihren Fans ferner. (Hör zu Electrola SH ZE 401; 21 Mark.)