KRITIK
Claude Debussy: »3 Sonaten«; »Syrinx«. Abneigung gegen die Musik Richard Wagners« Angst vor dem nahen Tod und Zorn auf den deutschen Soldaten diktierten dem schwerkranken Antimilitaristen Debussy 1915 eine Musik, die »über der brutalen Gewalt stehen« sollte. Vorliebe für großes Tonvolumen und vibratoreiche Intonation zwangen fünf französische Musiker, darunter der Pianist Françaix und der Cellist Gendron, zurück zu einer spätromantischen Interpretation des Flötensolos »Syrinx« und der »Sonaten ohne tetralogische Ansprüche«. (Philips 802770 LY; 25 Mark.)
»Arthur Grumiaux spielt 7 Violinkonzerte«. Mit kandiertem Tanz und einschläfernder Ebenmaßigkeit geigt der Repräsentant der belgischen Violinistenschule über sogenannte Abgründe der Violinkonzerte von Bach, Beethoven, Brahms, Mendelssohn, Tschaikowski, Lob und Vieuxtemps hinweg. Dieser temperamentschlaffe, glattbügelnde Schönheitskult, der bei Mendelssohn besonders glatt gerät, berichtigt Kritiker Hanslicks berühmtes Verdikt über (Tschaikowskis) »stinkende« Geigenmusik. Die Grumiaux-Kassette duftet wie ein Kosmetik-Koffer. (Philips S-C 71 AK 403; 79 Mark.)
»Wilhelm Pitz dirigiert Chormusik«. Mit einer stilistisch willkürlichen Kollektion präsentiert und propagiert das in Bayreuth hochgeschätzte »Phänomen"("FAZ") Wilhelm Pitz, 70, seinen 1957 formierten Neuen Philharmonia Chor. Das Londoner Ensemble, für dessen 220 Mitglieder Deutsch Pflichtfach ist, singt mit Titeln von Mozart ("Ave verum") bis zu dem belgischen Zeitgenossen Nuffel ("In convertenda Dominus") erfolgreich gegen deutsch-nationale Unsitten an: prononciert statt laut, beseelt statt larmoyant, präzis wie ein Kammerchor. (Electrola SME 81 046; 21 Mark.)