KRITIK
Wolfgang Amadeus Mozart: »Don Giovanni«. In Prag, wo vor 180 Jahren Mozarts ironische Schilderung der letzten Tage eines einst genialen Wüstlings uraufgeführt wurde, dirigierte Karl Böhm seine erste, mit Cola-Stars besetzte, fiebrig-dramatische Don-Giovanni-Aufnahme, in der er, dank raffinierter Ton-Regie, Klänge verwirklichen konnte, die »mir bisher nur vorgeschwebt haben«. Dafür fehlt ein Giovanni von erotischer Verführungskraft -- Fischer-Dieskau, der zwar aus einer Silbe ein Drama zu machen versteht, ist ein stiller Don. (Grammophon SKL 946/51;70 Mark.)
Ludwig van Beethoven: »Sämtliche Streichquartette«. Mit ideal ausbalancierter Klangmischung der Instrumente, spontan rhythmisiert, im Einsatz klangfärberischer Mittel (Vibrato) gemäßigt, öffnet das »Ungarische Streichquartett« die »geheime Pforte, die ins ... Labyrinth Beethoven führt« (Romain Rolland). Die klassisch-klare Darstellung der »letzten Streichquartette« macht den Zugang zu den sublimen Meditationen leichter, mit denen der vereinsamte Beethoven musikalische Formen zertrümmerte und sich seiner Zeit entrückte. (Columbia SMC 91 611/20; 125 Mark.)
»Friedrich Torberg liest Parodien und Pamphlete«. Torberg, der Parodist, seit je mehr eifernd als verspielt, hatte bereits 1932, ehe er 25 Jahre alt war, Klopstock abgefertigt, Schiller, Platen, Rilke, Hofmannsthal und Wedekind, Karl Kraus und Brecht. Der Sprecher Torberg, der fast nie vom selbstbewußten Wienerisch abläuft, kann dennoch die Rollen auseinanderhalten und dem tumben Beckett-Kind so gut gerecht werden wie ein Papagei, der »Lorca« kreischt. Des Langspiels bester Teil ist zweifellos Torbergs wildwütige Einmann-Bauern-Bühne. (Grammophon 168 089; 25 Mark.)