KRITIK - DER SPIEGEL
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KRITIK

• aus DER SPIEGEL 12/1968
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Mario Szenessy: »Verwandlungskünste«. Keinen Roman, wie unterm Titel steht, sondern dreizehn tüchtige Etüden -- Kapricen, Intermezzi, Impromptus, Bruchstücke ohne Konfession, doch voll Erfahrung -- präsentiert der 1963 aus Ungarn gekommene Autor, der ein girlandenhaft farbiges und geschwungenes Thomas-Mann-Deutsch schreibt. In diese Stilübung verfrachtet er (teils unökonomisch) den Lebensstoff eines Einzelgängers, der 1940 als zehnjähriger Gymnasiast aus dem Banat nach Ungarn entwich und unter den kollektiven Wechselbädern der Geschichte aufwuchs, auch im Schlimmen den Blick parat fürs Groteske. (5. Fischer; 216 Seiten; 18 Mark.)

Reynolds Price: »Ein ganzer Mann«. Unter Beihilfe eines Jahrmarkt-Mädchens und einer Sheriff-Frau mausert sich ein fixer fünfzehnjähriger Tabakbauernbub aus North Carolina in drei Tagen und Nächten zum Mann. Unter Beihilfe etlicher Nachbarn fahndet er überdies nach des Mädchens tödlicher Python und dem tumben Bruder nebst womöglich tollwütigem Hund, die im Wald abhanden kamen. Das führt zu einer skurrilen Idylle inmitten einer trotz Schönheitsfehlern herzlich wohlbeschaffenen Welt und wird mit teils unterschwelligem, teils obergärigem Pathos in zunehmend metaphernfetter Sprache vorgetragen. (Insel; 276 Seiten; 18 Mark.)

Carl Schneider: »Kulturgeschichte des Hellenismus 1«. Ausgehend von den »kleinsten Alltäglichkeiten«, möchte der renommierte Kulturhistoriker ("Geistesgeschichte des antiken Christentums") in seinem auf zwei Bände geplanten Werk des Lesers »Liebe« für die antike Kulturepoche des Hellenismus (323 bis 30 v. Chr.) »erwecken«. Schneiders trotz immenser Stoff-Fülle leicht lesbares Buch gibt ein facettenreiches Bild der vergnügungssüchtigen und sozial unruhigen Zeit der ersten Großstädte, die schon der Kulturpessimist Oswald Spengler ("Der Untergang des Abendlandes") mit der hektischen Zivilisation der Gegenwart verglichen hat. (Beck; 980 Seiten; 74 Mark.)

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