KRITIK - DER SPIEGEL
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KRITIK

• aus DER SPIEGEL 23/1967
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Gustav Mahler: »Symphonie Nr. 6, a-MolI«; Alban Berg: »Le Vin«. Mit Herdenglocken und Hammerschlägen beschwor Mahler in der »tragisch« genannten Sechsten sein Schicksal als intrigenumwitterter Wiener Staatsopernchef. Sein Landsmann Erich Leinsdorf verordnet dem gigantomanischen Zeugnis vom Zeitgeist Wilhelms II. eine glamouröse Schlankheitskur: Das Monstrum wird durch die Supertechnik der Bostoner Weltrangsymphoniker und die raffinierte US-Aufnahmepraktik abgemagert. Kassettenzugabe: Bergs Konzertarie »Le Vin«. (RCA Victor ISC 7044/1-2; 50 Mark.)

Dietrich Fischer-Dieskau: »Glanzvolle Opern-Arien«. Mit Edel-Vokalisen, flexiblem Timbre und nuanciertem Espressivo, assistiert von drei Orchestern unter drei Dirigenten, reiht Deutschlands Top-Bariton Weisen aus Buffo- und Verismo-Oper, Märchenspiel und Melodrama zum stereophonen Wunschkonzert aneinander. Dieskaus Digest mit zehn Arien ist nicht ohne stimmliche Fehlfarbe -- so bei Mozarts Don Giovanni und Bizets Escamillo: Die Grandezza der spanischen Galane entschärft der Belkantist zu lukullischem Wohlklang. (Grammophon 185 008; 16 Mark.)

Oscar Peterson: »Blues Etude«. Statt des Schlagzeugers Ed Thigpen trommelt in Petersons Piano-Trio neuerdings Louis Hayes, und der Bassist Ray Brown wurde wenigstens auf einer Plattenseite von Sam Jones abgelöst. Von dieser Rhythmusgruppe, die bereits fünf Jahre lang dem Cannonball-Adderley-Ensemble angehörte, bekam der Jazz des kanadischen Klavier-Artisten neue Impulse: Petersons Improvisationen über Pop-Themen sind wieder frei von jenen Klischee-Wendungen, die den Peterson-Fans die letzten Platten verleideten. (Mercury 220 032 LMY; 21 Mark.)

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