Kritik
Georg Philipp Telemann: »Concerti B-Dur und G-Dur; Triosonaten g-Moll und e-Moll«. Mit rumpelnden Kontrabaß-Einlagen, alten Instrumenten und mit einem leibhaftigen Musikkritiker, Karl Grebe, als tonangebendem Cembalisten feiert Hamburgs Telemann-Gesellschaft den 200. Todestag ihres Namensgebers. Die mit Liebhaber-Elan stilkundig präsentierte Aufnahme spiegelt den Fortschritt der Wiederbelebungsversuche an dem originellen Barockmusikmeister, dessen Nachlaß noch Generationen von Telemann-Buddlern Chancen bietet. (Philips 802 816 DXY; 25 Mark.) Richard Strauss: »Elektra«. So mächtig ist die »psychische Polyphonie« (Strauss) dieses Seelen-Dramas nach dem Text von Hugo von Hofmannsthal seit seiner Uraufführung 1909 wohl nie explodiert: Georg Solti treibt die Wiener Philharmoniker und den Chor der Wiener Staatsoper mit Wucht durch ein zerklüftetes Klangpanorama voll empfindsamer Lyrismen, schneidender Dissonanzen und polytonaler Ballungen. Birgit Nilsson (Elektra) und Regina Resnik (Klytämnestra) liefern sich eine Familientragödie van schönster Hysterie und Morbidezza. (Decca 35455; 50 Mark.) Bobbie Gentry: »Ode To Billie Joe«. Zum Klang von sechs Geigen, zwei Celli und einer Beatgruppe singt eine »südstaatliche, aber hübschere Streisand« ("Newsweek"), mit zwei Millionen verkauften »Oden an Billie Joe« neuer Top-Pop-Star der USA, ihre Autobiographie: Bobbie Gentry, 24, ein »Chickasaw County Child« (Titel), stammt aus dem »Mississippi Delta« (Titel). Mit echter »Down Home«-Delta-Diktion verbindet sie in trickreichen Arrangements (Jimmie Haskell) Folksong, Jazz, Blues, Country & Western, Hippiemusik und Beat. (Capitol SMK 74337; 18 Mark.)