KRITIK - DER SPIEGEL
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KRITIK

• aus DER SPIEGEL 49/1967
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Marie-Claire Blais: »Schwarzer Winter«. Balzac-Statur hätte die Autorin haben müssen, um das wimmelnde, nur von Großmutter Antoinette gebändigte Elend einer kinderreich-armen frankokanadischen Bauernfamilie, um den Terror des Klerus, die Ermordung des zwölfjährigen Magerhans durch einen homosexuellen Mönch, um Heloises Weg vom Kloster ins Bordell detailgerecht schildern zu können. Statt dessen beschreibt Mari-Claire Blais, 28, das heimatliche Milieu mit kennerisch-böser Lustigkeit und in surrealer Verkürzung, die es jedoch tiefer treffen als naive Empörung und nachempfindelnde Psychologie. (Kiepenheuer & Witsch; 192 Seiten; 12,80 Mark.) Violette Leduc: »Therese und Isabelle / Die Frau mit dem kleinen Fuchs«. Die Geschichte von den Schulmädchen Therese und Isabelle steht bereits teilweise in »Die Bastardin«, dem berühmtesten unter den autobiographischen Romanen Violette Leducs. Die beiden Freundinnen sind immerfort um körperliche Lust bemüht. So ehrlich, ernsthaft und ergriffen die Verfasserin die Regungen und Äußerungen ihrer minderjährigen Lesbierinnen wahrnimmt -- Sex und sonst gar nichts wirkt zu leicht monoton. »Die Frau mit dem kleinen Fuchs«, betagt und einsam, mittellos, verwirrt, gibt, als Gegenstand für die Erzählerin, dagegen bedeutend mehr her. (Piper; 192 Seiten; 18 Mark.) Jacqueline Susann: »Das Tal der Puppen«. Die ehemalige Werbefilm- und Fernsehschauspielerin Jacqueline Susann hat ohne Schreibtalent und ohne Schreibbemühung einen Bestseller hervorgebracht. Sie gibt den Blick auf allerprimitivste Hollywood- und Broadway-Liebeleien und -Zänkereien frei. Die Siege und Enttäuschungen, die Eitelkeiten und Verzückungen der abgebildeten Karriere-Schönheiten sind auch für zurückgebliebene Leserinnen nachfühlbar. Die Romanverfasserin tritt nebenher als Pädagogin auf. Volksgunst und Sinnenglück kosten den Seelenfrieden: Die Puppen des Titels sind rezeptpflichtige Schlaftabletten. (Scherz; 420 Seiten; 24,80 Mark.)

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