Kritik
Hans Jürgen Fröhlich: »Tandelkeller«. Luftschutzkellerdasein von einst wird in Fröhlichs zweitem Roman zum Muster-Fall bürgerlichen Verhaltens in totalitären Zeiten. Ein wenn auch irreal redegewandter Knabe halluziniert in seinen letzten Minuten unterm Trümmerschutt vom Einzug bis zum Einsturz noch einmal das exemplarisch miese, duckmäuserische Zeitverbringen einer Gesellschaft von Händlern und Handwerkern. Dabei mischen sich kennzeichnende Vertuschungs-Stereotypen und Selbstbeschwichtigungs-Techniken in einem mit todernsthafter Stimme um so grotesker vorgetragenen Gesang aus dem Spießerhades. (Insel; 216 Seiten; 16 Mark.) Giorgio Manganelli: »Niederauffahrt«. »Hilarotragoedia« nennt der Mailänder Autor seinen erstaunlichen Erstling. In Episteln und Traktaten, in Exkursen über Ratten und Amöben, Ängste und Abschiede feiert eine wörterwütige Phantasie pseudosystematisch oder orgiastisch die Erbärmlichkeit des Menschen. Seine Aashaftigkeit wird nicht so sehr beschrieben als mit verzerrenden Perspektiven und Reflexen beschworen. Ein schwarzromantischer »amor mortis« ergießt sich in genialischen Manierismen, erschöpft sich auch in Wiederholungen und verlangt der Übersetzerin Toni Kienlechner eigenschöpferische Leistung ab. (Wagenbach; 144 Seiten; 9,80 Mark.) Harry Kressing: »Der Koch«. Den »koche froh mit rororo«-Büchern gesellt der Verlag ein Koch-Buch zu, das zwar hübsch makaber konzipiert ist, aber doch der Würzkunst ermangelt, um als Roman appetitanregend zu sein. Ein hagerer hauptstädtischer Magier der kulinarischen Künste nimmt Dienst auf dem Lande, macht die reiche Herrschaft mit geschickt gesteigerten Völlerei-Orgien küchenhörig und schließlich zu willigen Anlernlingen und frohgemuten Bediensteten. Seine Schmäuse bringen Mißliebige dezent um und mästen die Haustochter zu seiner Braut heran, mit der er, Erbe nun, ein Leben wollüstiger Freßlust beginnt. (Rowohlt; 248 Seiten; 18,50 Mark.)