KRITIK - DER SPIEGEL
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KRITIK

• aus DER SPIEGEL 5/1967
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Otto Nicolai: »Te Deum«. Den liturgischen Labgesang, den der 22jährige einst für die Berliner Singakademie komponierte, wurde von der Berliner Singakademie (und dem Radio-Symphonie-Orchester) nun erstmals für eine Schallplattenaufnahme musiziert. Die polyphone Struktur und die doppelchörige Technik des Hymnus ist an den alten Meistern orientiert, üppige Melodien und romantische Instrumentierung kündigen den künftigen Opernkomponisten an. Die Aufnahme (Dirigent: Mathieu Lange) ist arm an Nuancen und reich an Intonationsfehlern. (Deutsche Grammophon 139170 SLPM; 25 Mark.)

Carl Orff: »Der Mond«. Das »Kleine Welttheater«, auf dessen Grimmscher Märchenbühne vier Strolche den Erdtrabanten stehlen und ihn »viertelesweis« (Orff) mit ins Grab nehmen, was am Ende Petrus zum Eingreifen nötigt, bereitet in seiner raffinierten Naivität auch auf der Platte ein Orffsches Vergnügen: Die Strolche rüpeln, die Kegel rumpeln. und die Zither zittert nach bairischer Art; Wolfgang Sawallisch dirigiert präzise das Londoner Philharmonia-Orchester. Fehl am Platz: Hans Hotter, der sich, ohne Poesie, wotangleich als Petrus durch das harmlos-hintersinnige Spiel singt. (Columbia C 90288/89; 50 Mark.)

Rolf-und-Joachim-Kühn-Quartett: »Re-Union in Berlin«. Der Hamburger Rundfunkmusiker Rolf Kühn, 37, »erster bedeutender Jazz-Klarinettist seit Benny Goodman« (US-Kritiker John Hammond), traf sich in Ost-Berlin mit dem Leipziger Trio seines inzwischen DDR-flüchtigen Bruders Joachim, 22 (Piano). Die musikalische Wiedervereinigung erbrachte frischen, harmonischen Avantgarde-Swing: Rolf Kühn splittert aus einer Melodie immer neue Motive ab »die sich nicht mehr auf eine harmonische Formeinheit beziehen, Bruder Joachims Spiel folgt nur noch den Regeln klanglicher Assoziation. (CBS S 62 407; 18 Mark.)

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