KRITIK
Wolfgang Amadeus Mozart: »Acht Klavierkonzerte (KV 413, 415, 449, 450, 453, 466, 488, 595)«. Die Wienerin Ingrid Haebler spielt etwa ein Drittel aller Mozart-Konzerte für Klavier unter drei Dirigenten des Londoner Symphonie-Orchesters (Davis, Galliera, Rowicki) mit so akkurat ausstichelnder Hand arbeit und gretchenhafter Sanftmut, als handele es sich beim modernen Konzertflügel noch um das ältere Hammerklavier. Aus der konkurrierenden Parallelaktion zu Géza Andas Einspielungen der Mozart-Klavierkonzerte wird stilistisch ein intimeres, aber blasses Gegenstück. (Philips C 71 AK 402; 100 Mark.)
Frédéric Chopin: »Piano Music«. Auf zwölf Langspielplatten demonstrierten sieben Pianisten anhand der Préludes und Walzer, Nocturnes und Polonaisen, Scherzi und Balladen, Impramptus, Mazurken und Etüden -- insgesamt 169 Piecen -- zeitgemäßes Chopin-Spiel, ohne zuviel Weltschmerz, Rausch und populären Tonfall. So unterdrückt Ingrid Haebler mit kühlem, dennoch sensiblem Intellekt in den Nachtstücken alle ekstatische Schwärmerei; in den Préludes läßt Walter Klien keinen Regen tropfen, in den Etüden genügt Guiomar Novaes fulminante Technik nicht sich selbst. (Vox S 3115; 89 Mark.)
Manfred Schoof Quintett: »Voices«. Die oft erstrebte, selten erreichte Fusion von Jazz und Neuer Musik gelingt dem Kölner Manfred Schaaf Quintett spielerisch, ohne die Jazz-Intensität zu verlieren. Die akademisch geschulten Neutöner, »Deutschlands wichtigste Combo seit Mangelsdorff und Doldinger« (so Plattenproduzent Horst Lippmann), improvisieren ohne festgelegte Akkordfolgen oder Formabsprachen im Kollektiv. Ihre zwölftönigen Motive sind nur »Initialzündungen für die Improvisation«. Die Form der Stücke entsteht, so Kornettist Schaaf, haus der Atmung des Rhythmus«. (CBS 5 62 621; 18 Mark.)