Shirley Horn: "But Beautiful" (Verve)
"Wenn Shirley Horn einen Songtext flüstert, spricht sie lauter als alle ihre Kollegen", schwärmte Barbra Streisand über die im Oktober verstorbene Künstlerin. Ähnlich bewundert wird Horns Pianostil. Sie liebte sparsame, herbsüße Akkorde, spielte viele Stücke im Zeitlupentempo. Etliche davon enthält das Album zur Erinnerung an die Jazz-Lady aus Washington. 14 Titel, einige mit Orchester im Hintergrund oder einem Bläser als Gast, doch im Mittelpunkt stets das verhalten swingende Trio der singenden Pianistin.
Frank Sackenheim: "Lamentation" (Laika)
Während andere zur Adventszeit Jazz-Versionen von Weihnachtsliedern herausbringen, wagt sich der Kölner Saxofonist an Choräle. "Herz Liebster Jesu" zum Beispiel, von Johann Crüger (1598 bis 1662), arrangiert für zwei Bläser und Rhythmusgruppe aus dem 21. Jahrhundert. Warum nicht? Kirchenmusik verinnerlichte Sackenheim als Ministrant; als Musiker hat ihn der spirituelle Jazz von John Coltrane beeindruckt.
Roger Cicero & After Hours: "There I Go" (JazzSick)
Statt als Solist sieht sich der Sänger Cicero eher als fünftes Mitglied im Quartett After Hours des famosen Saxofonisten Stephan Abel. Jedenfalls nutzt der in den Niederlanden ausgebildete Hamburger seine Stimme wie ein Instrument, wenn er berühmte Soli nachsingt, etwa die Improvisation des Tenorsaxofonisten James Moody über die Schnulze "I'm In The Mood For Love". Cicero hat für das Album Stücke von Clifford Brown, John Lennon und Toots Thielemans arrangiert. Es macht Spaß, ihm zuzuhören.
Rufus Harley: "Sustain" (Isma'a)
Jazz auf dem Dudelsack? Rufus Harley macht möglich, was unvereinbar klingt. Der Musiker gehört zu jenen aus Philadelphia, die - anders als John Coltrane, Jimmy Smith oder die Brecker-Brüder - niemals die lokale Szene verlassen haben. Was dort ungehört von der Welt an Sounds und Grooves existiert, bringt die Serie Philly Jazz des Labels Isma'a. Eine der Entdeckungen ist der Dudelsackspieler Harley.