Klassik: Neue CDs - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Klassik Neue CDs

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Elina Garanca singt Mozart-Arien" (Virgin Classics)

Direkt vom Laufsteg scheint die junge Lettin zu kommen, so suggeriert es das Cover. Stimmlich indessen braucht die Mezzosopranistin keinen Girlie-Aufputz mehr: Ihr schlanker belcantistischer Ton ist für Charakterrollen von Mozart bis Strauss europaweit begehrt. Passend zum kommenden Jubiläum singt sie hier vorwiegend Lyrisches von Mozart, zuletzt sogar das akrobatische "Come scoglio" aus "Così fan tutte".

Eduard Erdmann: "Symphonie Nr. 3 / Capricci" (cpo)

Fachleute kennen ihn noch, als Klavier-Pionier. Dabei war der Balte Eduard Erdmann (1896 bis 1958) auch beim Komponieren ein wacher Experimentator. Seit langem setzt sich der Dirigent Israel Yinon, 49, für Erdmanns Werke ein - und zeigt so die Moderne von ungeahnten Seiten. Wispernd, fahl oder auch ironisch-pompös ertönt hier, was die "Capricci" sogar im Titel führen: ein faszinierendes "Kaleidoskop für Orchester".

Hans Gál: "Sämtliche Werke für Soloklavier" (Avie)

1960 schrieb Hans Gál (1890 bis 1987), seit seiner Flucht vor Hitler als Musikologe in Edinburgh tätig, 24 Präludien für Klavier - anfangs jeden Tag eins, als Hirntraining während eines Krankenhausaufenthalts. Mit Verbeugung vor Bach fügte er zu seinem 90. Geburtstag 24 Fugen hinzu - auch sie verblüffend einfallsreiche, pfiffige Musik. Leon McCawley, der Pianist, stellt sich vorbildlich in den Dienst dieser überfälligen Ehrenrettung.

Hugo Wolf: "Orchesterlieder" (Harmonia Mundi)

Wer unter den vielen Hugo-Wolf-Fans weiß schon, dass der schwierige Meister 24 seiner Lieder selbst orchestriert hat? Hier sind sie - kongenial interpretiert von Juliane Banse (Sopran), Dietrich Henschel (Bariton) und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin mit Kent Nagano. Besonderes Bonbon der Aufnahme: die wildbewegte Chorfassung von Mörikes "Feuerreiter"-Ballade, gesungen vom großartigen Rundfunkchor Berlin.

Gustav Mahler: "Das Lied von der Erde" (telos music)

Noch eine unbekannte Version legendärer Musik, bloß umgekehrt: Mit dieser Klavierfassung wollte Mahler sein ergreifendes Werk auch intimeren Kreisen zugänglich machen. Vollendet war die Partitur bei seinem Tod nicht, aber Stephan Matthias Lademann am Flügel trifft den Ton überzeugend. Die Sänger Iván Paley und Robert Dean Smith machen aus der Erstaufnahme zum zehnjährigen Bestehen des Labels telos einen Hit.

"Die Eisenbahn in der Klaviermusik" (Prezioso)

Sind Schienengeratter und Tunnelpfiffe Musik? Und ob. Skurrile Tonbildchen aus der Feder Rossinis, ein Finger-Furioso des Supervirtuosen Charles-Valentin Alkan, sogar die Klavierfassung des berühmten Stücks "Pacific 231" von Arthur Honegger - das und viel mehr präsentieren der Pianist Jürg Hanselmann und seine Frau hier mit Esprit und Können. Na dann: Gute Fahrt, auch durch die Festtage!