"Stromberg - Der Film" - DER SPIEGEL
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"Stromberg - Der Film" Knallhart

Was eigentlich halten die Protagonisten Bernd Stromberg und Berthold "Ernie" Heisterberg vom Kinoereignis "Stromberg - Der Film"? Ralf Husmann, Drehbuchautor und Erfinder des Büroekels Stromberg, hat den beiden als Ghostwriter geholfen, ihre Meinungen zu formulieren.
Foto: Jan Feindt/ KulturSPIEGEL
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Wer bei uns ins Kino geht, will Krach, bum, peng. Der Rest will Til Schweiger oder einen von den andern beiden. Das können Sie bei "Stromberg - Der Film" vergessen. Da kracht nix, da bumst nix, und keiner zeigt sein Sixpack. Der einzige Schweiger im Film ist neun Jahre alt und sagt eben einfach nichts.

In deutschen Filmen erkennt der Macho nach 90 Minuten, dass Frauen auch so eine Art Mensch sind, die man nicht nur durchknattern kann, sondern die sich sogar zum Reden eignen. Das heißt dann Komödie. Oder einer hat Krebs, es spielt alles im Zweiter Weltkrieg oder in der DDR und ist in mürben Farben und mit Nina Hoss. Am Ende stirbt einer, und der ganze Abend ist versaut. Das heißt dann Arthouse. Dazwischen gibt es nix. Bis jetzt. Bei "Stromberg - Der Film" merkt der Macho nach 90 Minuten, dass man auch mit Männern nicht reden kann, und die Weiber bleiben sexuell trotzdem sperrig wie ein Ikea-Schrank. Es spielt nix in der DDR, sieht aber so aus, und der Russlandfeldzug war eine Polonaise gegen einen Betriebsausflug der "Capitol". Falls Sie Arbeit haben, werden Sie sagen: "Jawoll, so scheiße ist es bei uns auch!" Gleichzeitig werden Sie lachen. Wenn Sie Humor haben. Jeder von uns war doch schon auf einem Familiengeburtstag, wo irgendwann einer sagt: "Wir singen jetzt 'Oma Hilde wird heut' 80' auf die Melodie der Nationalhymne." Nach dem Prinzip haben wir die Filmmusik gemacht. So funktioniert ja Kunst. Über Wiedererkennung. Rembrandt ist so berühmt, weil man über seine Porträts sagen kann, "Mensch, die Leute sehen aus wie in echt". Picasso dagegen ist nur so berühmt, weil er alt wurde und reich.

Unser Film ist eher wie Rembrandt. Alles ist echt. Das habe ich zuletzt auch über einen Porno gehört, hatte da bei vielen Stellungen aber trotzdem das Gefühl, da ist gedoubelt worden. Bei uns nicht. Ich mache alles selbst. Auch die gefährlichen Teile, wo es um Gefühle geht. Damit tut der Deutsche sich ja schwer, dafür gibt's doch ein Formular oder ein Smiley. Bei mir nicht. Ich hab das knallhart durchgezogen. Es geht um brandheiße Themen: Kapitalismus, Euro-Krise, Türken und Proseccoaufguss in der Sauna. Dazu zeigen wir aber noch Ernie in Unterhose. Also nichts für schwache Nerven. So einen Film hat es in Deutschland noch nie gegeben. Er bekommt von mir sieben von fünf Sternen und vier Daumen hoch, und wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht zu Übertreibungen neige. Vielleicht bei Haftpflichtversicherungen, ja, aber nicht bei seriösen Themen wie Komödien.

Herzlichst, Ihr Bernd Stromberg


Ich finde den "Stromberg"-Film nicht gut. Er zeigt viele Menschen von Seiten, die nicht stimmen. Wo man sich lustig macht über was, was eben nicht lustig ist. Das Leben zum Beispiel. Oder mich. Ich mache gern mal einen Spaß mit, das möchte ich hier ausdrücklich sagen. Als meine Mutter noch lebte, haben wir immer gern "Ein verrücktes Paar" gesehen, mit Grit Böttcher und Harald Juhnke, oder "Sketchup" mit Diether Krebs. Aber viele von denen leben jetzt eben nicht mehr. Meine Mutter zum Beispiel. Und dann kann man nicht die ganze Zeit wummtata machen und am Ende sagen, das ist jetzt Kino.

Außerdem werde ich in einer Tour gemobbt. Und geärgert auch. Darüber dann Witze zu machen, auf einer großen Leinwand, das hat mit Humor nichts mehr zu tun. Einen Menschen, zum Beispiel mich, in Unterwäsche zu zeigen, beim Wasserlassen, oder wie er in einer emotionalen Ausnahmesituation mit einem Lachs um sich schlägt, das ist nicht lustig, sondern billig. Und von solchen Szenen wimmelt es in diesem sogenannten Film. Und die guten Sachen sind alle rausgeschnitten worden. Zum Beispiel hab ich gesagt, dass Bäume besser sind als Menschen, denn die können dicht nebeneinander stehen, ohne sich zu streiten. Das hat Tiefe und Substanz. Aber das wird nicht gezeigt. Stattdessen ein Gelage mit nackten Frauen, wo ich nicht dabei sein durfte, wegen dem Mobbing. Auf der anderen Seite liege ich durch diverse Verstrickungen mit einem Mann im Bett, was natürlich in aller Ausführlichkeit gezeigt wird, weil dieser angebliche Film ja "dokumentarischen Charakter" hat. Da muss man sich nicht wundern, wenn der deutsche Film international keine Rolle spielt. Bei den Franzosen gibt es schöne Musik, schöne Frauen, und am Ende fahren alle ans Meer. Die Skandinavier haben depressive Kommissare und die Amis Meryl Streep und George Clooney. Von alldem ist im "Stromberg"-Film gar nichts. Nur menschenfeindliche Sprüche gegen Frauen und Mitarbeiter machen, eine Betriebsfeier zu ruinieren und Deutschland in Aufruhr zu versetzen, halte ich nicht für abendfüllend.

Wer das sehen will, bitte, aber das werden Leute sein, die Alkohol trinken, statt ein Buch zu lesen, sich für Fußball interessieren, statt wandern zu gehen, und lieber Spaß haben, statt mal nachzudenken. Ich kann nur abraten. Bei uns im Stadttheater läuft gerade der "Rosenkavalier". Das werde ich mir angucken. Und das sollten Sie auch.

Rät Ihnen Ihr Berthold Heisterkamp


"Stromberg - Der Film". Start: 20.2. Ralf Husmann, 49, schreibt in seiner KulturSPIEGEL-Kolumne für Menschen, die seiner Meinung nach einen Ghostwriter brauchen. In diesem Fall mal für Menschen, die er selbst erfunden hat.

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