Kunst - DER SPIEGEL
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Kunst

• aus DER SPIEGEL 39/1971
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US-Zeitungen nannten sie »Bostons Stolz«. Aber nur anderthalb Jahre lang ist sie es gewesen: Die »Mona Lisa von Boston« ist, nach ihrem amerikanischen Zwangsexil, jetzt wieder in das Land ihrer Väter, nach Italien, eingeflogen worden. Der Fall dieses Bildnisses der Mantuaner Fürstentochter Eleonora Gonzaga -- nach Ansicht von Experten ein rares Jugendwerk des Renaissance-Meisters Raffael hatte vor allem die italienische Kunstwelt, namentlich den Chef-Aufsptirer verlorengegangener Kunstwerke, Rodolfo Siviero, seit Dezember 1969 in Atem gehalten. Damals hatte das Bostoner Museum Of Fine Arts den Erwerb eines Raffael »aus dem Besitz einer alten europäischen Familie« bekanntgegeben, was in Siviero düstere Ahnungen erweckte. Nach detektivischer Präzisionsarbeit konnte er als Verkäufer den inzwischen verstorbenen Genueser Sammler Ferruccio Bossi identifizieren und zudem belegen, daß das Meisterwerk sein Ursprungsland ohne Ausfuhrgenehmigung und Zollabgaben verlassen hatte. Bald glaubte er auch den Namen des Schmugglers zu wissen: Dr. Hanns Swarzenski, der aus Deutschland gebürtige renommierte Bostoner Museumsmann und Brigitte-Horney-Gatte, der die Bild-Schöne -- angeblich unter dem Mantel -- über die Grenze lanciert haben soll. Gleich nach Bekanntwerden des Skandals nahm der US-Zoll das Gemälde unter Verschluß, das Auswärtige Amt verfügte bald darauf die Rückgabe. Swarzenskis Millionending kann sein Museum teuer zu stehen kommen: Zur Rückerstattung des Kaufpreises von 5,43 Millionen Mark verwies der italienische Staat die Bostoner an die Bossi-Erben, die sich ihrerseits den amerikanischen Regreß-Wünschen gegenüber taub zeigen. Ein Gutes hat die Affäre: Ohne den Ankauf außerhalb der Legitimität würde sich Raffaels Eleonora wohl noch heute in der Privatsammlung Bossi verstecken. Jetzt dagegen soll sie in einem öffentlichen Kunst-Haus Italiens dem Publikum zur Ansieht hängen.

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