Kunst
Georg Baselitz, für viele ein Geheimtip jüngerer deutscher Malerei, löst einen Zwiespalt seiner Kunst kolumbisch einfach. Der Künstler, der 1963 in Berlin mit tibergroß gemalten Genitalien einen kaum mehr verständlichen Skandal erregte, ist mittlerweile von jener »literarischen« Richtung weit abgekommen und hält Bildmotive nun für »belanglos«. Um sie demonstrativ zu entwerten und dennoch nicht geradezu »abstrakt« zu arbeiten, was ihm derzeit nicht möglich scheint, stellt er die Gegenstände auf den Kopf. Im letzten Drittel (ab 1969) der augenblicklich im Hamburger Kunstverein gezeigten ersten Baselitz-Retrospektive sind Landschaften, Porträts und Blumen unterstzuoberst aufgehängt und auch so gemalt. »Als Maler«, sagt Baselitz treffend, »kann man auf der Leinwand ja allerhand machen.«