Kunstmarkt
Daß Werner Haftmann, Direktor der Berliner Nationalgalerie, »keinen Grund« sieht, aus »sentimentalen Gründen einen Wucherpreis« zu zahlen. hält der Berliner Kunsthändler Hans Pels-Leusden für »Hochmut« und einen »Skandal«. Der Museumsmann weigert sich, 600 000 Mark (Pels-Leusden: »Gar nicht viel) für ein Gemälde zu bezahlen, das vor dem Krieg schon einmal »zu den stolzesten Stücken« (Peis-Leusden) der Nationalgalerie zählte. dann aber als »entartet' zwangsverkauft wurde und heute einem westdeutschen Privatmann gehört: ein »Flora« genanntes Mädchenporträt (Modell: Tochter Wilhelmine) des deutschen Intpressionisten Lovis Corinth aus dem Jahr 1923. Um das (restaurierungsbedürftige) Gemälde an der Spree zu halten, wäre der Galerist bereit. »grandezzamäßig auf meinen Rabatt zu verzichten, selber noch Geld zuzuschießen« und den Verkaufspreis beim Besitzer »um 100 000 Mark zu drücken«. Außerdem, versichert der Händler, »würde Axel Springer spenden«. Alle diese Avancen können Haftmann nicht verlocken: »Beim besten Willen! Wir haben schon 18 Corinths« -- und einen neunzehnten in Aussicht. Ein Corinth-Selbstporträt in Amerika (Preis: rund 300 000 Mark) ist nur für ihn reserviert.