Kunstmarkt - DER SPIEGEL
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Kunstmarkt

• aus DER SPIEGEL 44/1972
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Weil es ja »doch dieselbe Zielgruppe« ist, brachte der Frankfurter Auktionator Knut Günther am vergangenen Wochenende neben alten Teppichen, Möbeln und Pokalen erstmals auch 57 Flaschen Wein unter einen deutschen Hammer. Die Nobel-Tropfen -Spitzenangebot: eine 1893er »Steinberger Auslese« aus der ehemals königlichpreußischen Staatsdomäne Eltville zum Schätzpreis von 1300 Mark -- waren zumeist von Staatsweingütern, aber auch von privaten Keller-Meistern eingeliefert worden. Beispielsweise ein »Schloß Vollrads«, Jahrgang 1902, ein »rassiges Gewächs« (Günther) aus dem Keller des Grafen Matuschka-Greiffenclau, das auf 350 Mark taxiert war. Das Zehnfache hatte der gleiche Wein kürzlich auf einer Auktion in Chicago eingebracht -- freilich eine Bouteille, die einst auf einem Bismarck-Empfang angeboten, aber nicht getrunken worden war. Günther, der das Weingeschäft nach angelsächsischem Vorbild betreibt (1971 erteilte Sotheby's für eine Großflasche 1929er »Château Mouton Rotschild« den Zuschlag bei 25 000 Mark), empfindet das Mischangebot von alter Kunst und altem Alkohol als »echte Verknüpfung«. Denn: »Beides wird nur von kulturbewußten Leuten geschätzt.«

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