Labyrinthe aus Licht
Eine magische Trickfilm-Welt aus flimmernden Licht-Labyrinthen. phantastischen Requisiten und elektronischen Ton-Signalen hat der New Yorker Choreograph Alwin Nikolais, 58, für die Tanzbühne erschlossen. Seine schillernde Multi-Media-Kunst -- in Europa bislang nur vereinzelt gezeigt -- führte der einstige Stummfilm-Pianist und Chef eines Marionetten-Theaters letzte Woche in einer repräsentativen Werk-Schau zum Abschluß der Wiesbadener Maifestspiele vor. Er zeigte sechs originelle Beispiele seines »Sound and Vision Theatre« --
vier davon als deutsche Erstaufführungen. In »Masken. Requisiten und Mobiles« etwa verwandelt er drei in Stretch-Säcke vermummte Tänzer durch raffinierte Beleuchtungseffekte zu aufgeblähten Luft-Kissen, die scheinbar schwerelos im Raum schweben. In »Echo« treten sie -- zischelnd und seufzend -- zu einem gespenstischen Schattenkampf gegen ihre riesigen, auf Leinwand projizierten Silhouetten an. In »Somniloquy« schließlich huscht das Ensemble durch rötliche Nebelschwaden und zeichnet aus den Licht-Blitzen mitgeführter Taschenlampen ein exotisches Farb-Ornament. Das psychedelische, choreographisch freilich manchmal simple Tanz-Spektakel hat Nikolais bis ins letzte Detail von Maske, Kostüm, Beleuchtung, Bühnenbild und Begleitmusik selbst erarbeitet. »Man spürt«. mokierte sich die »New York Times«, »wie er darunter leidet, daß er nicht auch noch an der Kasse sitzen und den Besuchern die Plätze anweisen kann.«