»Lass gut sein, Fanny« - DER SPIEGEL
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REGISSEURE »Lass gut sein, Fanny«

Die kanadische Regisseurin Patricia Rozema, 41, über ihre umstrittene Verfilmung von Jane Austens Roman »Mansfield Park«
• aus DER SPIEGEL 29/2000
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SPIEGEL: Ms. Rozema, die Heldin von »Mansfield Park« gilt als dröges, prüdes, humorloses Mauerblümchen ...

Rozema: Stimmt, mir ging Fannys Selbstgerechtigkeit am Ende des Romans auch furchtbar auf die Nerven: Ich habe lauter Bemerkungen wie »Lass endlich gut sein, Fanny!« an den Rand gekritzelt. Was auf Papier noch erträglich ist, würde aber auf der Leinwand zur Quälerei. Da sich die Zuschauer geradezu in der physischen Gegenwart dieser Figur befinden, muss ich sie halbwegs sympathisch erscheinen lassen.

SPIEGEL: Darum haben Sie Fanny Price, gespielt von Frances O'Connor, quasi neu erfunden - als eine Art Jane Austen: temperamentvoll, selbstbewusst, scharfzüngig und dauernd Prosa fabrizierend. Ihnen ist vorgeworfen worden, dass Sie dadurch »Mansfield Park« völlig verfälschen.

Rozema: Im Vorspann steht, dass der Film auch auf Austens Jugendschriften und Briefen beruht. Das ist sehr wichtig, weil es klar macht, dass es sich nicht um eine buchstabengetreue Verfilmung handelt. Nachdem ich alles Mögliche von und über Jane Austen gelesen hatte, fand ich es viel wahrhaftiger, alles einzubeziehen, was wir als Leser heute über die Schriftstellerin wissen. Das war mein Tor zur Freiheit.

SPIEGEL: Unter anderem haben Sie Themen wie Sklaverei und Sex, die Austen allenfalls andeutet, drastisch bebildert.

Rozema: Das Thema Sklaverei musste Austen nicht ausführlicher behandeln, weil es damals Tagesgespräch in England und ihren Lesern höchst vertraut war. Und was den Sex angeht: Der Roman strotzt vor Sexualität, ganz anders als sonstige Austen-Werke. Er spielt in einer geradezu perversen, lüsternen Atmosphäre.

SPIEGEL: Besonders lüstern ist der Hausherr, eindrucksvoll gespielt vom englischen Dramatiker Harold Pinter. Wie haben Sie ihn gewinnen können?

Rozema: Wir haben zusammen Mittag gegessen, und er hat gleich ja gesagt. Er war traumhaft. Meine große Sorge war natürlich, dass er das ganze Drehbuch umschreiben würde. Aber er tat alles, was ich ihm sagte.

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