Lebender Schild - DER SPIEGEL
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Am Rande Lebender Schild

• aus DER SPIEGEL 8/1999
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Endlich ist er wieder zur Stelle, unser göttergleicher Friedens-Peter. Seine Botschaft an die Unterdrückten und Vermaledeiten aller Erdteile: In Gefahr und größter Not / scheut der Peter nicht den Tod. »Mein Platz ist in Serbien, sollten die Nato-Verbrecher das Land bombardieren«, sagte der österreichische Großschriftsteller Handke, schon seit längerem eine Art Vater Teresa der schönen Literatur, dem serbischen Staatsfriedensfernsehen in Rambouillet. Während dort die Verhandlungen über den Kosovo-Konflikt in die soundsovielte Sackgasse gerieten, vernahm die Weltöffentlichkeit die tapferen Worte des Dichters wie eine Befreiung, eine Lehrstunde der wahren Empfindung.

Ja, möchte man nun selbst ganz euphorisch ausrufen, ja ihr Dichter und Denker, geht hinaus und werft euch vor die Panzer der westlichen Kriegstreiber. Euer Platz sei an der Seite der Gedemütigten und Beleidigten in Belgrad! Mit dem Instinkt des großen Sensibilisten, Brunnenwasserkosters und Cafémoralisten verspürt Handke den historischen Gezeitenwechsel. Nun ist's genug mit all der Ungerechtigkeit, dem Unfrieden und der Angst. Höchste Zeit, den serbischen Opfern der kriegslüsternen Euro-Banditen beizustehen. Ja, als das Wünschen noch geholfen hat, da konnte man ein Bewohner des Elfenbeinturms sein und in größter Zartheit die Angst des Tormanns beim Elfmeter beschreiben. Nun aber, da die Chronik der laufenden Ereignisse schreckliche Phantasien der Wiederholung hervorruft, legt Handke seinen schon begonnenen kurzen Brief zum langen Abschied beiseite und fordert: Freiheit für Milosevic - Kampf den Vasallen des US-Imperialismus! Nieder mit der Schröder/Fischer-Bande! Stoppt die feige Aggression der Kosovo-Albaner!

Glücklich die Welt, die solche Poeten hat. Dichter in den Bombentrichter!

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