Lee Child erklärt seinen Romanheld Jack Reacher "Dremmler und Augenthaler sind zwei meiner Schurken"
Lee Child
Foto: HANNAH MCKAY/ EPA/ DPAMit mehr als 100 Millionen verkauften Büchern gehört Lee Child zu den weltweit erfolgreichsten Thriller-Autoren. Seine Serienfigur, der Drifter und Ex-Militärpolizist Jack Reacher, ist meistens in den USA im Einsatz. In seinem neuen Roman "Der Ermittler" allerdings lässt Child den fast zwei Meter großen Fighter auf Hamburg los. Es geht um rechten und islamistischen Terror. Das Interview fand Ende November in Berlin statt, wo Child zusammen mit Jojo Moyes, Kate Mosse und Ken Follett im Rahmen einer Anti-Brexit-Buchtournee auftrat. Der 65-jährige Engländer lebt seit rund 20 Jahren in den USA.
SPIEGEL: Mr. Child, Ihr gerade in Deutschland veröffentlichter Roman "Der Ermittler" spielt in Hamburg. Die Bösen sind Neonazis, die recht interessante Namen tragen…
Lee Child: ...ah, gut, das ist Ihnen aufgefallen!
Dremmler und Augenthaler sind zwei meiner Schurken, und beide waren im Team des
FC Bayern, das 1982 im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Aston
Villa verloren hat. Ein seltener Erfolg für meine Lieblingsmannschaft. Aber
haben Sie auch gemerkt, wem der Obernazi Dremmler eigentlich nachempfunden ist?
SPIEGEL: Donald Trump?
Child: Genau, ich habe das Buch geschrieben, als Trump gerade in das Rennen um die Präsidentschaft eingestiegen war. Deshalb sagt Dremmler Sätze wie "Wir werden Deutschland wieder groß machen". Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass eine jämmerliche Gestalt wie Trump jemals Präsident der USA werden könnte, und war fest davon überzeugt, dass seine Sprüche wie "Make America great again" schnell wieder vergessen sein würden.
SPIEGEL: Zwei frühere US-Präsidenten, Bill Clinton und Barack Obama, gelten als Ihre Fans. Wie kam es dazu?
Child: Das ist nicht ganz richtig. Ich habe zwar beide schon häufig getroffen, aber nur Bill Clinton, der viele Thriller liest, ist ein Reacher-Fan. Obama kenne ich über die Politik, ich bin einer seiner ganz frühen Unterstützer, seitdem ich Mitte der Neunzigerjahre sein Buch "Ein amerikanischer Traum" gelesen habe. Das beeindruckte mich so sehr, dass ich von Anfang an jeden seiner Wahlkämpfe unterstützte. Deshalb war ich schon oft zu Essen und anderen Veranstaltungen eingeladen, und bei einer davon gestand er mir, dass er noch nie einen Reacher-Roman gelesen hat.
SPIEGEL: Glauben Sie, dass Trump Ihre Romane mag?