Am Rande Leinenzwang
Das Ansehen der treuesten Gefährten des Menschen, schon wahr, ist auf dem Hund. »Dem Hunde, wenn er gut gezogen / wird selbst ein weiser Mann gewogen«, schrieb Goethe einst im »Faust«. Von Thomas Manns »Herr und Hund« bis zum »Krambambuli« der Ebner-Eschenbach wurde das Vieh literarisch gehätschelt. Heute aber droht englischen Jagdhunden, die auftragsgemäß Füchse zerfetzen, das Halali, und halb Deutschland ist empört über die läppischen Strafen für die Besitzer jener Killerköter, die einen kleinen Jungen totbissen. Da fügt es sich bestens, dass der Amerikaner Stephen Budiansky nun in seinem Buch »The Truth About Dogs« (Die Wahrheit über Hunde) mit den gängigen Mythen über den Wauwau aufräumt: Nicht der Mensch habe den Hund an die Leine gelegt, sondern der Hund den Menschen. Wie zum Beweis dieser These lud Günther Jauch am vergangenen Mittwoch zwei Hunde samt Besitzer ins »Stern TV«-Studio - angeblich um herauszufinden, ob Köter schlauer sind, als ihre Herrchen ahnen. Da es sich bei den Besitzern um den Münchner Modezaren Rudolph Moshammer und den Gelhaar-Moderator Oliver Geißen handelte, war das Ergebnis keine Überraschung. Der Mensch, der sich den Köter, wie er meint, zum Kumpel gemacht hat, irrt, so lehrt der Wissenschaftsautor Budiansky. Denn das Tier kaschiere bis heute nur unzulänglich seine Wolfsnatur: als ein »sozialer Parasit«, der wegen eines Knochens kusche. In den »Venetianischen Epigrammen« hatte auch Goethe bereits erkannt, warum Menschen die Hunde so lieben: »Denn ein erbärmlicher Schuft ist, wie der Mensch, so der Hund.« Das also ist des Pudels Kern.