Leserbriefe - DER SPIEGEL
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Artikel 63 / 64

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Die Bibelfanatiker in der US-Regierung, Deutschlands Umgang mit Israel und die instabile Balance zwischen Recht und Politik – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 41/2025

Die scheinheiligen Staaten

Nr. 40/2025 Titel: Gotteskrieger 

  • Als Katholikin mit Theologiestudium fällt mir zum USA-Titel nur ein Wort ein: Blasphemie. Das US-Christentum im Trumpismus ist so wenig christlich, wie der IS den Islam repräsentiert. Es dreht sich einem der Magen um, wie Jesus Christus, die Bibel, Gott missbraucht werden, um das Rad der Zeit rückwärts zu drehen zu einer Diktatur nicht immer alter, aber wohl immer weißer Männer. Wird »Die Geschichte der Magd« von der Dystopie-Fiktion zur Wirklichkeit? Wann wehren sich die Frauen, zum Beispiel, indem sie den Waffenschrank leeren und die Waffen verbrennen? Und beim nächsten Wahltermin niemanden wählen, der Trumps Ideen vertritt?
    Dr. Angelika Koller, München

  • Gottes- oder Teufelskrieger? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Petrus diesen fanatischen Leuten Eintritt in den Himmel gewährt – am wenigsten Donald Trump. Dass Luzifer ihn jedoch freudig erwartet, ist durchaus vorstellbar, schließlich sind sich die beiden in Bezug auf Selbstüberschätzung sehr ähnlich. Luzifer war der Wichtigste aller Engel, aber nein, das genügte ihm nicht, er wollte sich auch noch über Gott erheben.
    Annemarie Fischer, Wielenbach (Bayern)

  • Gotteskrieger waren immer schon Menschen, die aus Gründen der Machtentfaltung ein Wesen missbrauchen, das es womöglich nur in ihren Gehirnen gibt.
    Klaus Müller, Essen

  • Ich lese derzeit mit Begeisterung die Bibel. Diese Fanatiker haben nicht das geringste mit dem christlichen Glauben gemeinsam.
    Jürgen Krause, Berlin

  • Selten war ich beim Lesen eines SPIEGEL-Berichtes so fassungslos wie diesmal. Wenn man diese »Extrem-Christen« weiter agieren lässt, ist ein Rückfall in die Brutalität und Dunkelheit des Mittelalters zu befürchten. Müsste nicht die christliche Weltkirche als Institution und auch der (amerikanische) Papst Leo XIV., als »Stellvertreter Gottes auf Erden«, zu Wort melden, um diese Auswüchse eines sich autoritär gebärdenden Religionsverständnisses zu bremsen?
    Heinz Tenbusch, Hattingen (NRW)

  • Wohin driften die scheinheiligen Staaten von Amerika? Nie hätte ich gedacht, dass dieses Land, aufgebaut von Menschen, die wegen ihres Glaubens und ihrer Weltanschauung einst aus Europa geflohen sind, genau in diese dunkle Zeit zurückkehren würden.
    Jürgen Gollmer, Tettnang (Bad.-Württ.)

  • Top-Titelbild und -Textzeile. Ich habe nach der Lektüre erst jetzt verstanden, was in den USA wirklich los ist. Es geht nicht nur um Diktatur oder Protofaschismus oder Ähnliches, es geht um religiösen Fanatismus mit Bezug zum Christentum und die Errichtung einer Theokratie. Allerdings habe ich jetzt auch keine Angst mehr, dass dieser Wahn in Europa ankommen würde. Hier gibt es diesen christlich verklärten weißen Suprematismus überhaupt nicht. Kein Trump in Sicht, Gott sei Dank! Inwiefern die Verschwägerung von Putins Diktatur mit der orthodoxen christlichen Kirche sich in ähnlicher Weise entwickelt, müssen wir sehen. Auf jeden Fall leben wir in Europa immer noch im Paradies – verglichen mit Russland und den USA. Erhalten wir es!
    Andreas Henatsch, Köln

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge
Arne Bellstorf / DER SPIEGEL

»Das hilft nicht bei der Lösung«

Der Leser Ulrich Fellmann aus Frankfurt am Main hat den Artikel »Die Sorgenkinder« kritisiert (hier der ganze Text ). SPIEGEL-Redakteur Marc Röhlig hat ihn angerufen.

SPIEGEL: Herr Fellmann, Ihnen hat nicht gefallen, was ich geschrieben habe. Warum?

Fellmann: Der Artikel stellt viele drängende Probleme wie den Klimawandel und die Rente als Folge eines Generationenkampfs dar. Das hilft nicht bei der Lösung. Die Gräben liegen nicht zwischen der Jugend und den Boomern, sondern gehen quer durch alle Altersschichten.

SPIEGEL: Ich pflichte Ihnen bei, es ist mehr eine Frage des Engagements als des Alters. Was hätten wir besser machen können?

Fellmann: Der Artikel schaut zu sehr auf die Politik. Dabei gerät aus dem Blick, dass nicht alle Menschen gleich sind. Statt Alt gegen Jung sehe ich eher Konfliktlinien bei Engagiert gegen Teilnahmslos, Vernunft gegen Gefühl, Offen gegen Verschlossen. Wer etwas Positives bewirken will, ist oft in der Minderheit. Solche Leute muss man hervorheben, statt immer wieder den Generationenkonflikt zu beschwören.

Klar und wohltuend

Nr. 39/2025 Leitartikel: Merz muss das deutsche Verhältnis zu Israel neu justieren 

  • Wir sind gerade im Baskenland unterwegs und sehen oft palästinensische Fahnen und Proteste gegen den erbarmungslosen Krieg an Häusern. Warum fehlt es in Deutschland an Empathie gegenüber den Menschen, denen der von den Vereinten Nationen damals versprochene Staat verwehrt bleibt und die nun sogar ins Ausland vertrieben werden?
    Dr. Torsten Hulzer, Berlin

  • Wie klar und wohltuend ist dieser Leitartikel von Maria Fiedler, wird doch der sperrige Begriff der »Staatsräson« mit seinen Grenzen deutlich: keine Unterstützung der maßlosen Gaza-Zerstörung und einer Annexion des Westjordanlands. Vielmehr folgt daraus die Anerkennung eines Staates der Palästinenser.
    Volker Wilhelmi, Ingelheim am Rhein

  • Ihr tendenziöser Weglass-Journalismus zum Thema Israel und Gaza ist inzwischen unerträglich und eine Zumutung geworden. Sie schaffen es tatsächlich, Ihr Narrativ der Causa Gaza ganz und gar ohne den anzettelnden Kriegsgegner Hamas zu erzählen. Dass die Hamas die Kapitulation verweigert und kriegsverbrecherisch weiter (mit Tamir Nimrodi, Ziv Berman, Alon Ohel, Rom Braslavski, Itay Chen, Tamir Adar und Gali Berman auch sieben Deutsche als) Geiseln hält, ist Ihnen kein Wort wert. Stattdessen arbeiten Sie sich an einem behaupteten »Völkermord« ab. Die Wahrnehmung der deutschen Staatsräson bedeutet, alles, wirklich alles zu tun, die Geiseln und damit eigene deutsche Bürger freizubekommen und mit für die Kapitulation der Hamas zu sorgen.
    Sven Hüber, Berlin

  • »Wenn die israelische Regierung jeden Kredit auf der Weltbühne verspielt … dann muss Staatsräson heißen, diese Regierung in ihrem Kriegsstreben aufzuhalten.« Treffender kann man es nicht formulieren. Wir dürfen uns nicht an einem Völkermord mitschuldig machen, indem wir nichts dagegen unternehmen.
    Ilona Wegener, Hamburg

  • Der Holocaust, das Menschheitsverbrechen schlechthin, der barbarische Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 und der grausame Krieg, den Israel seitdem führt – wie kleinlich und unbedeutend erscheint dagegen die Diskussion darüber, ob Deutschland einen nicht existierenden Staat Palästina anerkennen sollte oder nicht. Und das Ergebnis dieses Streits wird weder die Hamas noch die Regierung Israels auch nur im Geringsten beeindrucken oder gar in ihrem Verhalten beeinflussen. Einen Einfluss auf die Hamas haben allenfalls deren Schutzmächte, mit Iran an ihrer Spitze. Maßgeblich ist aber am Ende die Regierung der USA. Trump entscheidet, was Netanyahu unternimmt oder unterlässt. Die Beschlüsse und Gesten der Europäer haben bestenfalls symbolischen Charakter.
    Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Berlin

  • Zu einer verantwortungsvollen deutschen Politik gegenüber Israel hätte es doch auch gehört, auf das ständige widerrechtliche Verhalten der Israelis im Westjordanland seit Gründung des Staates Israel hinzuweisen. Hätte man dieses Unrecht verhindern können, wäre die Hamas doch gar nicht entstanden. Warum wird in den Medien auf diesen Zusammenhang nie eingegangen? Ist das auch Staatsräson?
    Axel Kuchenbecker, Köln

  • Sie schreiben, dass eine Mehrheit der Israelis ein Ende des Krieges will (falls denn die Geiseln freigelassen werden), und insinuieren gleichzeitig, dass die Regierung Netanyahu dies verhindere. Könnte es nicht vielmehr sein, dass die Hamas ganz offensichtlich an einem Ende des Krieges kein Interesse hat und lieber weiter unzählige zivile Opfer in Kauf nimmt – in einem Krieg, den sie begonnen hat?
    Erik Loschan, Köln

Wie denken Sie über das Oktoberfest?

Positiv

»Es war herrlich. Ich würde noch einmal hingehen und für ein paar Stunden Gaza, Ukraine, das Trump-Regime, Klimawandel und unsere Regierung in Berlin einfach verdrängen. Fröhlich sein und blödeln ist gesund.«

Wolfgang Obermeier

Negativ

»Vor vielen Jahren wurde ich von Geschäftsfreunden zum Oktoberfest eingeladen. Unterhaltung war nicht möglich. Der Toilettengang wurde zu einem Abenteuer. Die meisten Herren wählten den einfachsten Weg der Blasenentleerung. Ein Jahr später wurde ich wieder eingeladen, musste jedoch wegen dringender Termine absagen.«

Manfred-Werner Römer

Bitte verständlich

Nr. 39/2025 Die instabile Balance zwischen Recht und Politik 

  • Schwer verständliche Weisheiten eines Rechtsgelehrten – um diese historisierende Rechtsphilosophie auch nur halbwegs zu verstehen, bräuchte es dreierlei akademische Vorkenntnisse – in Jura, Philosophie und Geschichte. Hat die SPIEGEL-Redaktion wenigstens versucht, das (zu) hohe Abstraktionsniveau durch einleuchtende Beispiele zu senken? Der SPIEGEL darf und soll anspruchsvoll sein – aber bitte so, dass wir Leser:innen ihn verstehen.
    Dr. Fred Maurer, Aalen (Bad.-Württ.)

  • Der Artikel zeigt, dass der Autor als Professor für öffentliches Recht im Verfassungsrecht hoch oben schwebt, nicht aber in den Niederungen der gerichtlichen Praxis. In der Praxis leidet der Rechtsstaat an Unterfinanzierung, Personalmangel und Überlastung. 99,99 Prozent der Entscheidungen treffen Straf-, Zivil-, Verwaltungs-, Sozial- und Familiengerichte – nicht das Bundesverfassungsgericht. Die Heulerei, ob das Auswahlverfahren von Verfassungsrichtern das Problem des Rechtsstaates sei, kommt vom universitären Elfenbeinturm. Der Rechtsstaat hat ganz massive Probleme durch die Missachtung der notwendigen personellen und finanziellen Ausstattung der Justiz durch die Politik, nicht mit der Frage, ob potenzielle Verfassungsrichter:innen der Politik genehm sind.
    Andreas Meschkat, Leipzig

  • Herr Möllers hat eins noch nicht registriert: Wir haben längst eine »Kastenbildung«. Die da oben (Politiker) und die da unten (Bürger). Die Richterwahl ist nur ein Versuch, heimlich an der Öffentlichkeit vorbei Entscheidungen zu fällen. Die Bürger vor vollendete Tatsachen zu stellen. Angesichts dessen benötigt Deutschland dringend Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild.
    Sabine Wiemann, Sulzbach-Rosenberg (Bayern)

  • Guter Artikel, jedoch habe ich eine Bemerkung: Auf Seite 50, linke Spalte, letzter Absatz heißt es unter anderem: »Richterinnen dürfen in ihren Entscheidungen nicht beeinflusst und für ihre Entscheidungen nicht sanktioniert werden.« Dürfen nur Richterinnen nicht beeinflusst und sanktioniert werden? Sie sind hier herrlich (vorauseilend) dem Gendern aufgesessen. Wenn schon korrekterweise generisches Maskulinum geboten wäre, dann doch wenigstens die sperrige Doppelnennung »Richterinnen und Richter«.
    Roland Schmidt, Berlin

Glocken der Hölle

Nr. 39/2025 Wie ich meinen Frieden mit lauten Kirchenglocken machte 

  • Auch als »ungläubiger« Mensch könnte man wissen, dass der »Angelus« mitnichten an die Auferstehung erinnert. »Der Engel (Angelus) des Herrn brachte Maria die Botschaft …« Es handelt sich um die Ankündigung der Geburt Jesu, und das dreimalige Angelus-Läuten – morgens, mittags und abends – vermittelte unseren Vorfahren so etwas wie Tagesstruktur, als Armbanduhr und Handy noch nicht zum allgemeinen Equipment gehörten. So haben auch viele evangelische Gemeinden diesen Brauch beibehalten, als »Vater-unser-Läuten« oder als »Gebets-Läuten«. Allerdings findet das morgendliche Läuten heutzutage meist erst um 7 Uhr statt. Kann man sich nicht einmal in Oberbayern mehr auf die Gebräuche des »christlichen Abendlandes« verlassen?
    Dr. Rainer Brackhane, Herford

  • Liebe Frau Schmiegel, das kann Ihnen auch in evangelischen Dörfern passieren – ich bin vor langer Zeit aus Erlangen in ein solches, 15 Kilometer entferntes Dorf gezogen. Dummerweise habe ich die alte Dorfschenke gekauft, und die ist direkt gegenüber der Kirche. Entfernung zu den Glocken der Hölle: 30 Meter. Auch ich wurde früh um 5 Uhr durch den Höllenlärm geweckt. Auf Nachfrage beim Pfarrer wurde mir das mit »Melkläuten« erklärt – mein Einwand, dass nur noch ein Bauer Kühe hat und einen automatischen Melkstand, in den die Kühe von allein gehen, wenn sie Lust haben, hat ihn nicht beeindruckt – es wurde weiter geläutet. Ich habe mein Zuhause inzwischen gewechselt.
    Herbert Gros, Röttenbach (Bayern)

  • Ich wohne in einem Dorf. Unsere Kirchenglocken läuten erstmals morgens um sieben, eine moderate Zeit. Darauf ist Verlass, jeden Tag, und ich bin froh, dass es das noch gibt.
    Elke Marburger, Allendorf (Hessen)

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