Letzte Konsequenz - DER SPIEGEL
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SCHALLPLATTEN Letzte Konsequenz

Pierre Boulez: »Pli selon pli«. Hallna Lukomska (Sopran), Hugo d'Alton (Mandoline), Maria Bergmann (Klavier), Paul Stingl (Gitarre). BBC Symphony Orchestra; Dirigent: Pierre Boulez. CBS 72 110, 25 Mark.
• aus DER SPIEGEL 34/1970
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Als sich der Komponist Pierre Boulez immer häufiger ans Dirigentenpult stellte und Verträge mit den Philharmonikern in London, Cleveland und New York abschloß, war die amerikanische Plattenfirma CBS auf dem Posten: Sie sicherte sich die Exklusiv-Rechte an den Boulez-Einspielungen. Und seit seine Platten-Aufnahmen etwa der Frühmodernisten Debussy und Strawinski als Verkaufserfolge verbucht werden, darf Boulez bei CBS nun nach und nach auch eigene Werke vorstellen -- als neueste Produktion seine Kantate »Pli selon pli« (etwa: Falte nach Falte).

Die zwischen, 1957 und 1962 als »work in progress« entstandene Komposition, die nach einem Mallarmé Vers genannt ist und ein »Porträt« des Lyrikers liefern soll, demonstriert in fünf Sätzen »verschiedene Lösungen des Problems, Musik und Sprache miteinander zu verbinden -- von der Überschrift bis zur Amalgamierung« (Boulez).

Die Unterschiede von Satz zu Satt hat der Komponist allerdings selber abgeschwächt: Die kleinen und differenzierten Kammerensembles, die ursprünglich die Mittelsätze des »Pli selon pli« ausführen sollten, hat er zu grollen Orchestern erweitert; die ursprünglich selbständigen Liniengebilde sind zu kompakteren Klangmassierungen angeschwollen.

An ihnen jedoch macht Boulez, wie sonst an fremden Werken, mit letzter, nur von ihm erreichter Konsequenz formale Strukturen deutlich. Zusammen mit der höhensicheren Sopranistin Halina Lukomska zeigt er komplizierte Beziehungen in Tempo, Klangfarbe und Lautstärke sowie Spannungen zwischen exakt kalkulierten und freien, wie improvisiert erscheinenden Partien.

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