Letztes Mahl - DER SPIEGEL
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REKORDE Letztes Mahl

Drei amerikanische Autoren brachten ein »Buch der Listen« heraus. Auf Platz 28 in der Liste der weltbesten Fußballspieler: Franz Beckenbauer.
• aus DER SPIEGEL 24/1977
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Was haben die »Dicke Bertha« Und der »Colt«, ferner Isaac Newton und Immanuel Kant, Napoleon und Cary Grant gemeinsam? Desgleichen »Barry« und »Bibs« sowie der Mercedes 770 K und ein Lincoln Continental, Baujahr 1961?

Vordergründig eines: Sie stehen alle auf irgendeiner Liste.

Der kurze Mörser aus der Kruppschen Kanonenschmiede erhielt seinen Spitznamen, weil er an die Statur der Firmenchefin Bertha Krupp von Bohlen und Halbach erinnerte. Der Sechsschüssige, mit dem Amerikas Siedler vor hundert Jahren die Indianer erschreckten, hat seinen Namen ebenfalls nach seinem Erbauer, Samuel Colt.

Den Briten Newton und den Königsberger Kant vereinen ihre Scheu vor Frauen, beide starben als Unberührte.

»Barry« und »Bibs« sind die Spitzenreiter auf einer Liste der 14 berühmtesten Tiere, auf deren Platz 11 die Sputnik-Hündin »Laika« steht (sie umkreiste 163 Tage lang die Erde). Der Tabellenführer »Barry« rettete über 40 Menschen aus Lawinennot, und »Bibs« ist ein Kanarienvogel; er flatterte so lange aufgeregt durch die Hauptstraße von Hermitage (US-Staat Tennessee), bis die Bewohner begriffen, daß der »Bibs«-Besitzerin, der alten Tante Tess, etwas passiert sein mußte. Sie wurde rechtzeitig gefunden.

Der Mercedes 770 K wie auch der Lincoln Continental waren Autos, die Geschichte machten. Im einen fuhr Hitler nach den ersten Kriegserfolgen die Siegesparaden ab, und in dem anderen sackte John F. Kennedy unter den Attentatsschüssen von Dallas 1963 zusammen.

Napoleon und Cary Grant schließlich kamen nur auf eine Liste, weil sie so bekannt sind und beide an Schlaflosigkeit litten.

Die Beispiele stammen aus einer kurzweiligen amerikanischen Buch-Neuerscheinung: Knapp 500 Listen haben die Autoren Amy Wallace, David Wallechinsky und (deren Vater) Irving Wallace in einem »Buch der Listen« aufgelistet*.

Daß es -- nach dem »Guiness Book of Records«, dem »Book of Firsts«, dem »Buch der Desaster« und all den anderen Statistiken über Hunger und Waffenhandel, Krankheiten und Energie -- ein Buch all dieser Bücher geben mußte, war zu erwarten wie das nächste Enthüllungswerk über die wahren Hintergründe der Kennedy-Ermordung.

Was das »Buch der Listen« von anderen Werken dieses Typs unterscheidet, ist die lockere Mischung von verifizierbaren Statistiken und subjektiven Präferenzen. So steht die Aufstellung der unfallträchtigsten Luftfahrtgesellschaften neben den 50 besten Fußballspielern der Welt, zusammengestellt von Pelé, der seinem neuen Klubkameraden beim New Yorker Cosmos Soccer Club, Franz Beckenbauer, immerhin noch den 28. Rang zuerkennt.

Und nicht nur die beste Wassertemperatur zum Kaffeekochen (82,2 Grad Celsius) und der angeblich schwerste Mensch der Welt -- John Lang, 534,14 Kilogramm -- werden aufgeführt, sondern auch die zehn besten Country-Songs aller Zeiten, angeliefert für das »Book of Lists« von Western-Singer Johnny Cash. Er nutzte seine Exklusivität zur Selbstdarstellung und erkannte seinem Song »I walk the Line« die Krone aller Countries zu.

Amüsant sind schließlich auch die Aufstellungen, die in jeder einfallsreichen »In-and-Out-Liste« stehen könnten. So wird etwa unter dem Stichwort »bekannteste Liebesgaben« nicht nur Fausts Seelenverkauf für die Liebe Gretchens aufgeführt, sondern auch die Skorpios-Inselschenkung des Aristoteles Onassis an seine Jackie 0. Die doppelte Witwe findet nochmals Erwähnung bei den bevorzugten Diäten von »zehn berühmten Leuten«. Jackie speist am liebsten eine gebackene Kartoffel, aufgeschnitten und gefüllt mit frischem Kaviar, dazu ein Glas Champagner; Kalorienmenge: unter 500.

Jesu letztes Mahl mit den Jüngern nahmen die Autoren zum Anlaß, unter prominenten Zeitgenossen herumzufragen, wen denn diese zum »Last Supper« einladen würden. Da würde Humorist Art Buchwald an seiner Tafel Richard Nixon und Adolf Hitler nebeneinandersetzen, umrahmt von Jack the Ripper, Nero und dem Marquis de Sade.

Anspruch auf Endgültigkeit -- »jeder von uns führt ja irgendwelche Listen« erheben die Buch-Autoren nicht. Im Gegenteil, das nächste Buch der Listen soll mit Hilfe von Leserzuschriften schon bald zusammengestellt werden. Als Ermunterung zum Mitmachen steht auf der letzten Seite ein Photo: Es zeigt Franz Liszt.

*David Wallechinsky, Irving Wallace and Amy Wallace: »The Book of Lists«. William Morrow & Company, New York; 522 Seiten; 10,95 Dollar.

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