Liaba Bua
Als wären es Stilleben, die nur über gewissen durchgesessenen Kanapees denkbar sind und stets »Schale mit Äpfeln« oder »Margeriten und Astern« heißen, hat da ein Wiener Anonymus vor der Jahrhundertwende aquarelliert, was die viel früher gedichtete Verskunst etwa in diese Mundartreime faßt: »O du mei liaba Bua, / I bitt di, stöß zua / Und jetzt ist's grad so guat, / Weils ma fest kuma tuat.«
Der pusselige Akademie-Realismus von einst, mit dem hier feiste Madln und stramme »Nudln« präsentiert werden, verhält sich zum dermatologischen Dänenporno wie Ganghofer zu Fernau, ist also entschieden komischer.
Zugleich zeigen diese Altwiener Nippel-Nippes deutlicher als alle einschlägigen Gegenwartsprodukte, wie sehr Porno stets Opas Porno ist: Denn irgendwie steckt in diesen prallen Bildchen, hergestellt zu Hofrats Lust und Frommen, immer zugleich auch der Voyeur hinter der Zimmerpalme.